Interviews
18.08.2017 Julia Nemesheimer Simon Engelbert
Interview Tobias Schmitz / von Brücken

"Trier ist zweite Heimat"

​Am 26. August sind von Brücken im Rahmen des Überall & Hier - Festivals in den Kaiserthermen zu Gast. Bei dem zweitägigen Festival, über das wir schon schrieben und wozu es noch bis Donnerstag, den 24. August Karten zu gewinnen gibt, ist für jeden etwas dabei und der Sonntag wird dank "Zahl soviel du kannst" für alle Menschen offen sein. Wir haben uns mit Tobi Schmitz unterhalten.

 
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hunderttausend.de: von Brücken gibt es jetzt ja schon seit einiger Zeit, davor warst du lange als Tourmusiker mit Jupiter Jones, aber auch vielen anderen Projekten unterwegs. Was ist aus dieser Zeit in eurer Musik noch übriggeblieben?

Tobi Schmitz: Naja, die offensichtliche Antwort wäre hier wohl die Stimme und die Texte von Nicholas Müller. Und die schönen Erinnerungen an all das, was in dieser Zeit gewachsen ist. Wenn man solange befreundet ist und intensive Zeiten miteinander verbracht hat und verbringt, dann hinterlässt das selbstverständlich Spuren, die man auch in der Musik hört. Es entsteht so eine Art gemeinsames musikalisches Universum, aus dem man schöpfen kann. Das beinhaltet natürlich alles, was Nicholas oder ich in unserem Leben selbst musikalisch gemacht haben und was uns beeinflusst hat. Wobei wir natürlich bemüht sind, von Brücken eine eigene musikalische Sprache und Identität zu geben. Ich glaube, was mich betrifft, gibt es einen großen Einfluss aus der Filmmusik-Welt, die für mich die erste Verbindung zwischen meinem eher klassischen Klavierunterricht und der Popmusikwelt war. Da kommt wohl auch der Hang zu epischen oder, sagen wir, ausufernden Arrangements her. Ich schätze seit jeher Künstler, die an dieser Schnittstelle Kreatives und Mutiges geschaffen haben, ob jetzt die Beatles, Queen oder auch Peter Gabriel, die mich einfach schon lange begleiten. Unser Singer-Songwriter- beziehungsweise Folk-Einfluss kommt sicher eher aus Nicholas Ecke, aber ich mochte seit jeher, wenn er einfach nur die Gitarre in die Hand nimmt und singt.

Davor hast du mit Nicholas Müller ja „nur" live zusammengearbeitet, warst am Kreativprozess aber eher weniger beteiligt. Jetzt seid ihr als Duo unterwegs. Wie hat sich die Zusammenarbeit geändert?

Hier hat sich für mich entscheidend etwas verändert. Das Schreiben der Musik, der Melodien und Arrangements und auch das Begleiten der Produktion liegt jetzt federführend in meiner Hand, natürlich mit Unterstützung des fantastischen musikalischen Umfelds, das wir uns gewählt haben. Da ich ein Mensch mit vielen Ideen bin, habe ich mir lange gewünscht, nicht nur als Keyboarder für andere tätig zu sein, sondern eben auch selbst kreativ in Erscheinung zu treten, eine eigene musikalische Heimat zu finden. Nicholas wusste das und hat mir das Vertrauen entgegengebracht, das Schreiben der Musik in meine Hände zu legen und sich selbst von nun an überwiegend auf das Texten und Singen zu konzentrieren. Da gibt es bei uns also eine relativ eindeutige Kompetenzenaufteilung. Ich finde es auch sehr spannend durch die Zusammenarbeit einen Einblick in Nicholas Text-Universum zu gewinnen, bei der Entstehung  neuer Dinge dabei zu sein und nicht nur beim Umsetzen schon fertiger Stücke im Studio oder auf der Bühne.

Im Juli habt ihr bei facebook mitgeteilt, dass ihr im Studio seid – wann darf man mit der zweiten Platte rechnen?

Man soll ja immer vorsichtig sein mit allzu großspurigen Ankündigungen, aber wir hoffen doch, in der ersten Hälfte des nächsten Jahres mit einem neuen Album am Start zu sein. Definitiv gibt es nächstes Jahr Neues aus dem Hause von Brücken, soviel sei versprochen.

Auf der Bühne steht ihr mal als Duo, mal mit sechs weiteren Musikern, die etliche Instrumente mitbringen. In welcher Kombi spielst du lieber und wie unterscheidet sich die Dynamik auf der Bühne?

Ich will da jetzt keine Variante hervorheben, obwohl es natürlich ursprünglich so gedacht war, die Songs live auch so zu präsentieren, wie wir sie auf Platte aufgenommen haben und mit einer Live-Band an unserer Seite, wie man sich sie besser nicht wünschen kann. Mit insgesamt etwa 20 Instrumenten auf der Bühne und viel Tam-Tam und Klangkosmos.

Wir haben aber auch mit der Zeit festgestellt, dass es eine ganz besondere Atmosphäre und Intimität entfaltet, die Songs auf ihr Minimum zu reduzieren: eine Stimme, ein Klavier und/oder eine Gitarre. Das schafft eine unglaubliche Nähe, lässt dem schönen Zufall seinen Raum und ermöglicht, glaube ich, vielen Konzertbesuchern einen noch tieferen Einblick in unsere Gedankenwelt.

Noch ein kurzer Blick auf das, was du sonst noch für Projekte hast: Mit Hubert vom Venn hast du den Verein „Eifel Hilft" gegründet. Was macht ihr und was ist für die kommenden Wochen und Monate geplant?

Ja, Eifel Hilft - ein Verein zur Förderung sozial bedürftiger Menschen in der Eifel, in diesen Zeiten insbesondere auch Flüchtlinge -  ist so ein richtiges Herzensprojekt, für das ich gerne auch noch mehr Zeit aufbringen würde. Aufgrund des vollen Terminkalenders ist das nicht immer so gegeben. Nach einigem Bürokratie-Wahnsinn ist es uns nun endlich gelungen, als gemeinnützig anerkannt zu werden und mit dem Geld, das wir letztes Jahr unter anderem durch ein großes Konzert und die vielen großherzigen Spender einnehmen konnten, erste Projekte in Angriff zu nehmen. Das waren zum Beispiel die Unterstützung einer Ferienfreizeit, bei der auch sozial schwachen Familien eine Teilnahme ermöglicht werden sollte oder auch Spenden an andere Einrichtungen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Manchmal sind es auch die kleinen Dinge: Die Mutter, die mit ihren Kindern aufgrund eines gewalttätigen Mannes im Frauenhaus gelandet ist und dringend ein Fahrrad für ihren hyperaktiven Sohn benötigt. Oder es ist die Oma, die aufgrund von Altersarmut ihre Stromrechnung nicht bezahlen konnte und wir uns für sie an die zuständige Behörde gewandt haben, da sie selbst sich schämte, diesen Schritt zu tun.

Gegen Ende des Jahres planen wir Konzert Nummer zwei, diesmal in der Nordeifel, also der Heimat von Kabarettist und Autor Hubert vom Venn. 

Beim Überall & Hier am 28. Juni spielt ihr in Trier in den Kaiserthermen. Bisher habt ihr es irgendwie noch nicht geschafft, in der Moselstadt zu spielen -  freut ihr euch jetzt darauf, hierher zu kommen?

Na klar, Trier ist so etwas wie eine zweite Heimat für uns und hat einen großen Teil unserer musikalischen Sozialisation geprägt. Ich kann mich erinnern, einige meiner ersten größeren Konzerte in Trier gespielt zu haben, das einem damals noch vorkam wie die große weite Welt.  Jetzt ist es immer wieder schön, an diesen Ort zurückzukehren. Und die Kaiserthermen, hey, das ist auch mal eine Premiere.

Ihr habt von einer Überraschung gesprochen, gibt's einen kleinen Hinweis?

Es gibt auch mittlerweile einen großen Hinweis beziehungsweise die Auflösung: Bei einigen Stücken werden wir unterstützt von einem Chor aus der Region, die nennen sich „Die neue Generation - Der etwas andere Chor". Ich war gestern Abend in der Probe und das hat sich schon ganz toll angehört und passt sehr gut zu den dafür ausgewählten Songs. Wir mögen es ja mehr- und vielstimmig und wollten uns einfach auch noch ein besonderes Highlight für die Heimatshow einfallen lassen. Allerdings haben wir auch noch ein paar andere kleine Überraschungen, die erst beim Konzert selbst verraten werden, man muss schließlich immer noch ein Ass im Ärmel haben.

Dann lassen wir uns mal überraschen! Vielen Dank und toitoitoi für's Überall & Hier.

Karten für das Festival sind noch erhältlich, wobei sich einiges geändert hat. Für Samstag gibt es weiterhin Tagestickets für 27,50 Euro (22,00 ermäßigt). Sonntags jedoch gilt ab sofort: "Zahle so viel du kannst": Es gibt eine Eintrittspreis-Empfehlung, jede*r Besucher*in entscheidet selbst, wie viel ihm/ihr die Veranstaltung Wert ist beziehungsweise wie viel gezahlt werden kann. So soll allen Menschen der Zugang zu dem Festival ermöglicht werden. Bereits gekaufte Wochenendtickets können entweder vor Ort erstattet oder gespendet werden. 

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