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02.12.2016 Vincenzo Sarnelli Vincenzo Sarnelli
Schmutzki im JUZ Försterstraße

Erinner dich mal...

​Am gestrigen Donnerstag, den 01. Dezember 2016, läuteten die Herren von Schmutzki in die besinnliche Zeit ein. Mit bretthartem Punkrock und nicht immer ganz ernst gemeinten Texten sind die Stuttgarter spätestens seit dem Auftritt beim Rocco del Schlacko 2015 auch im Saarland ein Begriff. Den Support für Schmutzki übernahmen Captain Risiko aus Türkismühle. 

 
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​So ein JUZ (Jugendzentrum) ist was feines. Man betritt die heiligen Hallen, die Wände sind vollgetagged, die Bühne steht bereit und irgendwie erinnert einen das an seine Jugend, die manchmal ferner und manchmal gefühlt noch viel weiter weg ist. Die ersten Mosh-Versuche in einem dieser Moshpits, die aus drei Leuten bestanden, drumherum viel Platz, um sich herrlich aufs Gesicht zu legen und auf der Bühne eine GreenDayBlink182Sum41VielleichtsogarPennywise-Coverband. Das JUZ Försterstraße in Saarbrücken ist ein wunderbares Beispiel für eben solche JUZen all over Deutschland. Und an diesem Abend beglückten die Herren von Schmutzki eben jene Bühne.

Der Schmutzki-Mob, wie sich die Fans der Band nennen, steht schon allseits bereit und rotfarbig bejackt, bepullovert und teilweise sogar behangen mit eben jenem Schriftzug, der jedem Festivalgänger bekannt sein dürften, für den Fall, dass Schmutzki auf dem Festival gespielt haben. Die sympathischen, wenn auch durch diverse Gesichtszugsverrenkung von Bassist Dany Horowitz (Foto) manchmal etwas beängstigenden, Stuttgarter haben eine Fanbase gesammelt, die sich gefühlt im Altersbereich 14-21 bewegen dürfte. Mit Stickern, vielen, vielen Stickern haben sie es vor einigen Jahren, als die EP "Mob" ihren Weg an die Öffentlichkeit fand, geschafft, den Namen Schmutzki bekannt zu machen, bevor man gar Zeuge des musikalischen Zeugnisses wurde. So wurden auf diversen Festivals, wo auch der Schreiber dieser Zeilen sich anwesend kennzeichnet, nicht weniger unternommen, als mit Stickern der Band die Kleidung eines alkoholgefrönten Kollegen zu ersetzen. 

Nun genug der Erinnerung, rein in die Gegenwart: Schmutzki haben 2016 mit "Spackos forever" ihr zweites vollumfängliches Studio-Album vorgelegt. Nach "Bäm", dass die großen Hits "Hey Du" und "Backstage" beinhaltete, ist dieses Album die Fortführung von melodischem, einfachem Punk-Rock mit mehr oder wenigen ironischen Texten. Nun. Die Band erfindet das Rad nicht neu. Und die Texte sind manchmal etwas schlichter konstruiert ("Ich dachte, ich schreib mal 'n Song über Politik, Doch Politik check ich nicht" - Sauflied) aber auch witzig ("Hinter Hatern haten Hater hinterher, 
hinterher haten Hater hinter Hatern her." - Hey Hater). Aber eben diesem Mantra folgend machen Schmutzki das, worauf sie Lust haben: eingängigen Punkrock, Bier trinken, Spaß mit den Fans haben und Konzerte abliefern, die einen doch irgendwie an die alten Zeiten erinnern dürften. Ja, Ja. Man könnte nun eine Abhandlung darüber schreiben, was an solchen Dingen nicht gut oder gar schlecht ist. Aber man könnte sich auch anschauen, wie die Fans von Schmutzki abgehen wie Schmitz-Katze und die Bühne stürmen. Die Band bleibt derweil völlig locker, als sei es das Normalste der Welt, dass die rund 200 Zuschauer nun nicht mehr vor ihnen sondern neben ihnen stehen. Und so rufen sie "Spackos Forever" und meinen das. Nämlich, dass sie kein Problem damit haben konventioneller, schlichter und dennoch anders zu sein als vieles was heutzutage in der deutschen Punk-Szene sonst so passiert. Da stehen drei Jungs auf der Bühne, die sich über jeden Zuschauer freuen, der tanzt. Und die selbst alles geben, bis auf das letzte Hemd. Und im Prinzip ist das nichts anderes als das, was man früher gemacht hat. Auf dem Land. Als kulturell nix lief. Man hat sich darüber gefreut, was da war. Irgendeine Cover-Band. Und am Ende dann "Westerland" laut gröhlend, Stubbi in der Hand. Nein, wir sind niemals besser gewesen als das. In diesem Sinne: "Erinner dich mal! Ich weiß ganz genau es wird nie mehr wie früher sein. Scheiß egal wir tun einfach so!" - Danke Schmutzki, für nen schönen Abend. 

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