Gewinnspiele
14.04.2018 Julia Nemesheimer Simon Engelbert
Marcus Miller

Jazz ist unglaublich real

​​Am 19. April spielt Marcus Miller erneut in der Rockhal im luxemburgischen Esch-sûr-Alzette. hunderttausend.de hat sich im Vorfeld mit dem Bassisten unterhalten und verlost in Kooperation mit der Rockhal zudem zweimal zwei Tickets für das Konzert. 

 
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Hi Marcus, wie geht’s dir?
 
Wunderbar, wir sind gerade unterwegs in Frankreich. Seit drei Wochen sind wir schon auf Tour und fahren gerade von Nantes nach Rennes. Es macht wirklich viel Spaß wieder „on the road“ zu sein.
 
Dein letztes Album liegt ja auch schon ein wenig zurück, Afrodeezia erschien 2015. Kannst du uns ein wenig über die Platte an sich und den Zusammenhang mit deiner Rolle als UNESCO Artist of Peace erzählen?
 
Klar, ich hab vor etwa vier Jahren angefangen mit UNESCO zu arbeiten. Herbie Hancock hat mich ihnen vorgestellt. Sie waren ziemlich interessiert daran, etwas zusammen zu machen und haben ein Konzert von mir in Paris besucht. Wir haben uns über die Insel Gorée unterhalten. Dieses Eiland, das zum Senegal gehört, ist ein wichtiges Symbol für die Sklavenverschleppung über den Atlantik. Daher haben sie mich nach meiner Meinung gefragt. Das hat mich schon berührt und ich habe Musik darüber geschrieben, die ich dann auch in Paris spielte. Das alles hat den Ausschlag dafür gegeben, dass wir zusammenarbeiten. Denn sie waren auf der Suche nach Menschen, die kommunizieren und als Verbindungsglied zwischen unterschiedlichen Kulturen dienen können und Reibungen reduzieren. Und bezogen auf Afrodeezia war es für mich naheliegend, diese Zusammenarbeit auch in meine Musik einzubringen. Ich hab mit vielen Menschen zusammen Musik gemacht, die ganz unterschiedliche Hintergründe der Sklaverei mit sich bringen. Leute aus Nord- und Westafrika, aus Brasilien, der Karibik und New Orleans. Das Album war sehr gefühlsbetont, wir waren anderthalb Jahre damit auf Tour und jetzt gerade bin ich dabei, meine nächste Platte zu veröffentlichen. Sie heißt Laid Black (Das Album erscheint voraussichtlich im Juni 2018 AdR.). Dabei geht es vor allen Dingen darum, was am Ende dabei rausgekommen ist. Das heißt, es wird Elemente aus Hip-Hop und Trap enthalten und vielen anderen modernen Musikrichtungen, die ihre Ursprünge auch in der Sklaverei haben.
 
Stimmt es denn, dass dein jüngster Sohn mit an diesem Album gearbeitet hat?
 
(lacht) Ja. Wir haben vier Kinder, zwei Jungs und zwei Mädchen, wobei die Jungs älter sind und der zweitgeborene Sohn ist ziemlich begeistert von Hip-Hop. Er und ich, wir reden seit Ewigkeiten über Musik und wir haben wirklich Spaß daran, jetzt zusammen zu arbeiten. Wir müssen da tatsächlich gar nicht so viel miteinander sprechen, das funktioniert irgendwie einfach so. Wir verstehen uns ziemlich gut ohne Worte, während wir Musik machen.
 
Du arbeitest ja außerdem als Filmkomponist und als Produzent sowie mit anderen Musikern. Wo liegt denn da für dich der Unterschied und was macht dir mehr Spaß?
 
Ich persönliche liebe es mit Menschen zusammenzuarbeiten. Und da habe ich wirklich viele Möglichkeiten. Die Arbeit mit Miles Davis oder dem R`n`B Sänger Luther Vandross war unglaublich wichtig für mich, genauso wie die Zusammenarbeit mit Chaka Khan oder Aretha Franklin, um nur einige zu nennen. Und daraus ziehe ich meine Inspiration, aus all diesen unterschiedlichen Erfahrungen, die ich machen durfte und aus all den Dingen, die ich von diesen Künstlern und Künstlerinnen lernen durfte.
 
Wo wir gerade von den Musikern und Musikerinnen reden, mit denen du bereits zusammengearbeitet hast: Gibt es einen Künstler oder eine Künstlerin, mit der du bisher noch nicht zusammengearbeitet hast – es spielt dabei keine Rolle, ob sie tot oder lebendig sind – mit denen du das unglaublich gerne tun würdest?
 
Ich bin ja immer noch dabei, Stevie Wonder zu sagen, dass wir ein Instrumental-Album zusammen aufnehmen sollten. Er stimmt dem auch zu, aber nur, weil er das tut, heißt es ja leider nicht auch, dass er Zeit dafür hat. Aber vielleicht klappt es ja irgendwann mal.
 
Oh, das wäre sicherlich eine interessante Zusammenarbeit!
 
Ja, finde ich auch (lacht).
 
Im Moment verändert sich in der Welt ja richtig viel, die Technik schreitet immer mehr voran, politisch ist es ein großes Auf und Ab. Inwiefern spiegelt sich das in deiner Musik wider?
 
Richtig viel. Man reflektiert durch die Musik ja auch das eigene Leben, dadurch verhindert man auch, dass es immer gleich bleibt und befindet sich in einem stetigen Fortschritt. Für mich ist das wirklich wichtig. Gerade ist die Welt ziemlich verrückt, aber ich hoffe, dass sie das nicht für immer bleibt. Wir werden aus dieser Periode herausfinden. Das Wichtigste dabei ist Kommunikation und das Bewusstsein über Menschen, die sich von einem selbst unterscheiden. Mit UNESCO arbeite ich da viel dran. Ich spiele in russischen, brasilianischen und asiatischen Schulen. Und natürlich sind wir auf den ersten Blick alle unterschiedlich, aber die Art und Weise, wie wir zum Beispiel auf die Musik reagieren, zeigt, dass wir eigentlich gar nicht so verschieden sind. Und diesen Drang des Menschen, alles voneinander abzutrennen, der muss irgendwie bekämpft werden.
 
Und gerade Musik eignet sich dafür ja wirklich hervorragend, als eine Art universelle Sprache, die man überall versteht, auch ohne tatsächlich die Muttersprache seines Gesprächspartners zu sprechen.
 
Richtig, daher ist die Arbeit auch so wichtig.
 
Schauen wir jetzt mal auf den Jazz selbst, wo siehst du die Zukunft dieses Genres? Wenn ich mich in Deutschland auf Jazzkonzerten umblicke, findet man kaum junge Leute, woran liegt das deiner Meinung nach?
 
In New York gibt es einige junge Leute, die Jazz für sich entdecken. Und gerade Jazz ist so unglaublich real. Momentan ist so viel nur noch virtuell greifbar. Heutzutage verkauft man Erfahrungen wie Fallschirmsprünge, Safaris und vieles mehr und die Leute gieren geradezu nach solchen realen Erlebnissen. Wir zum Beispiel haben relativ viele junge Menschen auf unseren Konzerten, finden Inspiration und damit wird Jazz auch wieder wichtiger.
 
Ich habe darüber gelesen, dass du eine Radioshow hast, bei der du Leuten Jazz erklärst. Erzähl uns mal ein bisschen darüber, um was geht es da?
 
(lacht) Ja, das ist eine meiner liebsten Aufgaben. Ich habe ein großes Problem mit Jazz und das ist, dass es viele Musiker gibt, die es genießen, Sachen zu wissen, die andere Leute nicht verstehen. Sie tun so, als wäre Jazz ein großes Geheimnis und man müsse in der Jazzwelt akzeptiert sein, um zu verstehen, was das ist. Das finde ich furchtbar dumm. Und daher ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, den Leuten Jazz zu erklären. Mit ganz normalen Worten und weil ich das so gern mache, schaffe ich es, die Menschen dafür zu begeistern. Das mache ich jetzt seit ein paar Jahren und die Leute sagen mir weiterhin, dass sie sich jetzt viel besser damit beschäftigen können, nachdem es ihnen erklärt wurde und sie es verstehen können. Viele kaufen sich danach auch die entsprechenden Alben. Und diese Resonanz ist wirklich schön.
 
Kommen wir zur letzten Frage: Was können wir bei deinem Konzert in Luxemburg erwarten? Viele neue Songs oder auch ältere Stücke?
 
Eine gesunde Mischung von beidem. Ein wenig vom kommenden Album, aber auch viele Songs, die wir lange nicht mehr gespielt haben. Ich hoffe, die Leute werden das genießen. Wir tun das jedenfalls! Und die Leute in Luxemburg sind immer sehr offen und freuen sich bei unseren Konzerten, da macht es auch viel Spaß, dort zu spielen.
 
Dann sind wir gespannt, was uns da geboten wird! Vielen Dank für deine Zeit, eine gute Tour und viel Erfolg mit dem neuen Album.
 

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