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06.03.2016 Ralf Hoff Simon Engelbert
Helge Schneider in der Arena

Es gibt Jazz, Baby

​​Auf seiner "Lass knacken, Oppa!"-Tour fand Komiker und Multiinstrumentalist Helge Schneider am Samstag, den 5. März 2016, seinen Weg in die Trierer Arena. hunderttausend.de war mit der Kamera dabei. 

 
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​"Als nächstes kommt wieder ein Lied, diesmal auch mit Musik": Eine kurze Auszeit hatte Helge Schneider sich genommen. Erst als er merkt, wie sehr ihm sein Publikum doch fehlt, kehrt er auf die Bühne zurück - und so stand nach einem Abstecher nach Saarbrücken an diesem Abend Trier auf dem Programm. 2700 Zuschauer versammeln sich an dem kalten Märzabend in die Arena, um dem "Oppa" noch einmal dabei beizuwohnen, wie er Anekdoten aus seinem bewegten Leben zum besten gibt, sich Improvisationsduelle an allen möglichen Instrumenten mit seinen Begleitmusikern liefert oder dem Rock 'n' Roll anheim fällt. 

Offenbar kann Schneider es kaum erwarten, endlich aus Saarbrücken nach Trier kommen zu können. Dort haben ganze 30 IQ-Blocker nicht genügt, hier in Trier sei das anders und außerdem habe die Stadt einen wunderschönen Verteilerkreis, verkündet der Entertainer schon zu Beginn der Show frohlockend, nachdem er seinen quietschenden Kontrabass zur Seite gelegt hat. Die Nähe zu Luxemburg, Holland oder den Niederlanden tut ihr Übriges dazu bei. Nicht nur Schneider, sondern auch seine sechsköpfige Backing-Band, bestehend aus u.a. Schlagzeug, E-Piano und Orgel, sind in Höchstform an diesem Abend. Glänzen dürfen auch Assistent Bodo, der Schneider den ganzen Abend lang mit "Theatertee" versorgt, oder Sidekick Sergej, der, obwohl er ca. 200 Jahre alt ist, die Show ab und an mit wahnwitzigen Tanzperformances unterlegt.  

Helge Schneider live und in Farbe bedeutet eine vollkommen irre Mischung aus Jazz-Standards, Sound-Collagen, Publikumsinteraktion, Märchenonkel-Stunde und gepflegtem Schwachsinn. Dem Meister dabei zuzuhören, wie er aus nur grob strukturierten Stücken – seien sie kabarettistisch oder musikalisch – durch Improvisation und Spontaneität kleine Meisterwerke macht, ist erstaunlich und zumeist eine wahre Freude.  Ob er sich nun von einer Affen-Handpuppe beim Trompetespielen unterstützen lässt oder am Piano in einen ekstatischen Rausch verfällt - Helge hat und macht Spaß. Natürlich dürfen auch die Überhits wie "Wurstfachverkäuferin", "Meisenmann" oder "Katzeklo" nicht fehlen - letzteres wird schließlich sogar in Japan als Teil des Schulunterrichts gesungen, wenn auch mit anderer Melodie und anderem Text. 

Begeistert berichtet Schneider zwischen den - durch die Bank weg musikalisch unerwartet hochklassigen - Songs von Esspapier aus dem 3D-Drucker oder dem Trampen von Duisburg nach China. Zwischendurch fangen schon einmal die ​​Verstärker an zu qualmen, immerhin hat Schneider vor allem den Rock 'n' Roll im Blut. Nach guten zwei Stunden Blödelei und musikalischer Raffinesse beschließt er dann den Abend solo am Piano mit weiteren Lobliedern auf Trier, so lange, bis selbst ihm nichts mehr einfällt. Zwischen Genie und Wahnsinn ist es oftmals nur ein schmaler Grat, aber Helge Schneider meistert das Pendeln zwischen den Extremen mit Bravour. 

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