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kostenlose Dienstagsführung

​Die Miniatur zu den Sieben Freien Künsten im „Hortus deliciarum“

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 Die bekannteste Darstellung zu den Sieben Freien Künsten stammt aus einer Straßburger Handschrift des 12. Jahrhunderts, dem berühmten „Hortus deliciarum“. Obwohl das Original der Handschrift im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 vernichtet wurde, liegen qualitätvolle Nachbildungen vor. Ein Druck aus dem Jahr 1818 ist Teil der Schatzkammer-Ausstellung zum Fortwirken Roms in der Bildungsgeschichte des Mittelalters. Auf großzügige Weise hat die Médiathèque André Malraux Strasbourg die Leihgabe zur Verfügung gestellt. Sie wird zum ersten Mal außerhalb Frankreichs gezeigt. 

 
Zu sehen ist die antike Konzeption der Sieben Freien Künste in einer christianisierten Form. Im Zentrum der Abbildung thront die Gestalt der christlichen Philosophie. Sie erinnert an Darstellungen der Gottesmutter Maria und symbolisiert die Kirche. Aus ihrem Herzen fließen sieben Ströme des Wissens hervor, die Sieben Freien Künste. Sie sind in einem äußeren Kreis als allegorische Gestalten einzeln dargestellt. In ihren Händen tragen sie typische Gegenstände ihrer Wissenschaften. Drei Disziplinen umfassen die sprachlichen Disziplinen Grammatik, Dialektik und Rhetorik, vier Disziplinen die mathematischen Fächer Musik, Arithmetik, Geometrie und Astronomie. Außerhalb der Kreiskomposition sind vier schreibende Gestalten zu sehen, die als Dichter und Zauberer bezeichnet werden. Krähen flüstern ihnen Botschaften des Todes ins Ohr. Es sind die Vertreter der heidnischen Dichtung, die hier gemeint sind. Doch anderes als dargestellt, hat der „Hortus deliciarum“ wie das Mittelalter insgesamt immer wieder gerne auf die Literatur und das Wissen der Antike zurückgegriffen. Der Kirchenvater Augustinus schreibt hierzu: Ebenso wie die Israeliten beim Auszug aus Ägypten Gold und Silber mitgenommen hätte, so sollten die Christen Kenntnisse und Fertigkeiten aus der heidnischen Antike mitnehmen.  
 
Die Ausstellung der Schatzkammer zeigt sehr schlüssig, dass es nicht nur den Untergang Roms gegeben hat, sondern auch das Fortwirken im Bereich von Bildung und Kultur.          
 

Regelmäßige öffentliche Führungen
Dienstagsführungen, jeweils um 15.00 Uhr: Die Führungen sind kostenlos, es wird nur der Eintrittspreis erhoben, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.




Die Sonderausstellung „Das Fortwirken Roms in der Bildungsgeschichte des Mittelalters“ der Schatzkammer der Wissenschaftlichen Bibliothek kann man ab sofort auch online besuchen: https://my.matterport.com/show/?m=3MiYmELXfpw
 
Der virtuelle Rundgang findet statt in einer digitalen Abspiegelung der Schatzkammer. Jedes einzelne Exponat ist visuell dargestellt und kann gezielt aufgerufen werden. Die Abfolge der Führung wird vom Besucher selbst bestimmt. Neben den Bildern steht der Audioguide mit seinen erläuternden Informationen zur Verfügung. Original und Digitalisat bieten ergänzende Möglichkeiten, einen bedeutenden Teil des kulturellen Erbes zu erleben.  
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Der Hortus deliciarum: Die Sieben freien Künste
Entstehung: Original ca. 1175/95, Kloster Odilienberg,
Elsass, Reproduktion 19. Jh.
Médiathèque André Malraux Strasbourg

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