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16.11.2015 Julia Nemesheimer Julia Nemesheimer
Unheilig in der Arena Trier

Auf ein Wiedersehn?

Am vergangenen Freitag, den 13. November 2015, startete Der Graf den mit "Zeit zu gehen" betitelten Teil seiner Abschiedstour, die ihn noch bis in den Spätsommer 2016 beschäftigen wird. Frei nach dem Motto "wir gehn, wenn es am Schönsten ist", hat sich hunderttausend.de das letzte (?) Konzert in Trier nicht entgehen lassen. ​

 
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​Ganz ausverkauft war der Auftakt der winterlichen Hallenkonzerte in Trier nicht. Im hinteren Drittel der Stehplätze stand das bunt gemischte Publikum locker verteilt, ein bisschen Gedränge fand sich nur in den vorderen Bereichen. Die schwarze Szene hält sich weitestgehend fern, nur wenige Gothic-Anhänger waren in den Massen aus ganz jungen Kids, Mitt-Zwanzigern und älteren Paaren oder Damen in ihren besten Jahren auszumachen.

Tatsächlich stimmten die beiden Vorbands Be One und Bollmer eher auf ein Pop-Konzert ein. Erstere, bemannt mit Sänger und Gitarre sowie DJ am obligatorischen MacBook, lieferte gefälligen Gute-Laune-Pop, Bollmer weckte Erinnerungen an Pur und ähnliche deutschsprachige Bands.

Um Punkt 20:00 Uhr wurden dann die echten Kerzen entzündet, der Vorhang verhüllte den Großteil der Bühne und schließlich, nach einer weiteren viertel Stunde des Wartens, stürmte Der Graf, kurz nach seinen Musikern, die Stage. Sein Aussehen ist ein Markenzeichen, auch wenn inzwischen die Kontaktlinsen und schwarzen Fingernägel gewichen sind, so bleiben doch immer noch der Anzug mit dem weißen Hemd, der schwarzen Krawatte und nicht zu vergessen, der charakteristische Bart. Ein richtiger "Graf" eben. Und diesem merkte man das gesamte Konzert über an, dass er den Abschied richtig zelebrieren will. Kein leises "Tschö, das wars jetzt", sondern mit einer Energie,  die allen im Gedächtnis bleibt.

Hüpfend, springend, laufend, mit großen Gesten und zwischen den Songs scherzend, ging es für den Grafen permanent von links nach rechts, meist mit längerem Aufenthalt in der Verlängerung der Bühne, mittig, hinein ins Publikum ragend. Quasi Hochleistungssport, der für zwei Damen aus dem Westerwald zu einem verschwitzten Handtuch führte, das jetzt sicherlich eingerahmt über dem heimischen Sofa hängt.

Man kann natürlich bei Unheilig einiges anprangern: die große kommerzielle Vermarktung, die Hinwendung zum wohlgefälligeren Pop und vieles mehr. Dennoch war es ein schickes Spektakel, das dem jeweiligen Gast das gab, was er daraus mitnehmen wollte. Neben den großen Hits "Geboren um zu Leben" und "Zeit zu gehen", die erst in den Zugaben kamen, waren auch einige ältere Songs dabei und mit "Einer von Millionen" ein Titel, der bisher noch nicht auf CD veröffentlicht wurde. Balladen mischten sich mit kraftvolleren Songs aus älteren Tagen.

Das Trierer Publikum erschien, zumindest zu Beginn, ein wenig träge, die kleinen Antwort-Spielchen und das Mitsingen fielen, trotz Animation des Grafen, eher mau aus - zumindest von allen, die hinter Reihe 15 standen. Dies wandelte sich im Laufe des Abends zum Besseren.

Letztendlich war es ein sehr energetischer Abend, der erst gegen Ende in die große Melancholie verfiel, als Der Graf schließlich realisierte, das dieses Konzert in Trier tatsächlich​ der Anfang vom Ende ist, nachdem seit über einem Jahr nun schon feststeht, dass nach 2016 endgültig Schluss sein wird.

In diesem Sinne, vom Grafen, auch an diejenigen, die nicht dabei waren: "Auch wenn es weh tut, ist es Zeit zu gehn, wir danken euch für all die Jahre".

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