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27.01.2017 Vincenzo Sarnelli Vincenzo Sarnelli
Turbostaat im JUZ Försterstraße

Muss nicht immer Abriss sein

​Die „Auf dem Weg nach Abalonia“-Tour führt die Kombo derzeit durch die gesamte Bundesrepublik. Am 26. Januar 2017 besuchte die Husumer Band Turbostaat das Jugendzentrum Försterstraße in Saarbrücken. hunderttausend.de war mit der Kamera dabei.

 
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​Wer Jan Windmeier (Bild) singen hört, der ist schnell gefesselt von seiner Art. Es ist eine Mischung aus Gesang und gesprochenem Wort, zwischen druckvoll und mahnend. Mal laut, mal leise, fast schon flüsternd. Turbostaat ist spätestens seit dem letzten Album “Abalonia“ im deutschsprachigen Punkrock-Olymp festgespielt. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Band aus Husum stammt. Und hey, wenn man als Trierer Medium sich über eine Region, neben dem Saarland, lustig machen darf, dann ist es das schleswig-holsteinische Husum. Und dann stellt man fest, dass dort eine rege Musikszene agiert. Und ist verwundert darüber, dass dort Dinge gehen und entstehen, die wirklich nachhaltig sind. In Text und Musik.

Turbostaat sind bereits seit 1999 unterwegs, das erste Album „Flamingo“ erscheint 2001 und 2017 ist es so, als sei die Band immer noch jung und frisch. Die Windmeierschen Texte sind zeitlos, anprangernd schön und schön anprangernd. Manchmal so kryptisch, dass man den Kern des Textes vielleicht auch gar nicht so fassen kann. Und wenn einen die Erkenntnis trifft, dann ist das nicht immer erheiternd. Nein, manchmal sogar ziemlich voll auf die Omme: „Zusammen mit der Hoffnung. Fällt Sonne in die Stadt. Es geht noch immer weiter. Zumindestens bergab“, heißt es da zum Beispiel im „Haubentaucherwelpen“. Übrigens ist auch das eines der Hauptmerkmale der Band: Kryptische Songnamen, die eigentlich so gar keinen Sinn machen wollen. Oder reicht vielleicht der Intellekt des Rezipienten nicht? Man weiß es nicht.

Mit dabei hat die Band an diesem Abend die Punkrocker von Düsenjäger. Die zweifelsohne ebenfalls eine der Bands aus der Riege der deutschsprachigen Punkmusik sind, die genannt werden, wenn man über das Genre spricht. Es ist dennoch irgendwie interessant zu sehen, dass vielleicht vor 15 Jahren das Line-Up eher umgekehrt gewesen wäre als heute. Eigentlich sind Turbostaat-Konzert ein Garant für durchgeschwitzte T-Shirts und mitgesungene Refrains. Die renommierte Musikzeitschrift Visions hatte jüngst zur Umfrage aufgerufen und dort landete die Band auf dem zweiten Platz in der Kategorie „Beste Liveband“. Doch am 26. Januar in Saarbrücken will der Funke irgendwie nicht überspringen. Es wirkt wie gewollt, aber nicht gekonnt. Die ersten Reihen zeigen sich zwar textsicher, aber es wird bis zuletzt wenig bewegt. Aber manchmal ist so ein genossenes Punkrockkonzert ja auch schön. Es muss ja nicht immer gleich Abriss sein. 

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