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24.10.2017 Simon Engelbert Simon Engelbert
Tower of Power

They came to play!

Die kalifornische Kultband Tower Of Power macht auf ihrer Welttournee Halt in Luxemburg. Am Sonntag, den 22. Oktober 2017, waren die Musiker im Artikuss in Soleuvre zu Gast und begeisterten das anwesende Publikum. hunderttausend.de war mit der Kamera dabei.

 
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​Beunruhigt kamen die eingefleischten Fans der Soul-Funk Band Tower Of Power am vergangenen Sonntag nach Soleuvre ins Artikuss. Wenige Tage zuvor konnte man den sozialen Medien entnehmen, dass der Bassist und Freund der Band Dewayne Pate auf dem Weg nach Europa sei um kurzfristig einzuspringen. Francis Rocco Prestia, Bassist und Gründungsmitglied der Gruppe, halte sich zur Zeit in einem Krankenhaus in den Niederlanden auf, genauere Angabe zu seinem Gesundheitszustand wolle man aber nicht machen. Betrachtet man die Geschichte des 65-Jährigen, Drogen- und Alkoholprobleme und vor nicht all zu langer Zeit eine Nierentransplantation, waren die Sorgen der Fans wohl berechtigt. Während des Konzertes gab Bandleader Emilio Castillo dann aber Entwarnung. Rocco habe sich einen Infekt eingefangen und werde wohl im Laufe der Woche schon wieder entlassen.
Aber nun von vorne: Das Artikuss, vor allem den Besuchern aus Deutschland ein absolut unbekannter Laden, aber dank GoogleMaps und Navigation findet man die sehr abgelegene Halle natürlich recht leicht, dennoch fühlt es sich nach einem Ritt in die Pampa an. Einmal angekommen, wird man von einem hochmodernen, sehr edel wirkenden Gebäude empfangen, wie nicht anders in Luxemburg zu erwarten.
Der Saal füllte sich, das Licht wurde gedimmt, und die Show ging los.
Mit „We Came To Play" startete die zehnköpfige Truppe direkt eindrucksvoll. Spätestens jetzt wurde es wohl auch den örtlichen Veranstaltern klar, dass die Entscheidung den Saal zu bestuhlen nicht die Beste war. Doch anfangs beherrschten sich die Gäste noch ein wenig und beließen es dabei die Hüften auf den Sitzflächen von rechts nach links zum Groove zu schieben. Nach sechs Songs hatte Sänger Marcus D. Scott aber genug davon und forderte das Publikum auf sich von den Sitzen zu erheben. Das ließen sie sich nicht zweimal sagen und binnen Sekunden füllte sich der Bereich vor der Bühne mit tanzenden Menschen.
Mit einer unglaublichen Dynamik und mit einer fast überirdischen Präzision rollte die Band durch ihr Programm.
Marcus D. Scott, der neue Sänger der Truppe, nachdem der Nachfolger von Larry Braggs, Ray Greene, die Band sehr schnell für die Position des Frontmanns bei Santana verließ, überzeugte nicht nur gesanglich sondern auch mit gekonnten Tanzeinlagen.
Was soll man über einen Bläsersatz sagen, der ohne Zweifel zu den Besten der Welt gehört. Liest man sich die Diskografie der Tower Of Power-Horns durch, stellt man schnell fest, die haben mit jedem gespielt, und das nicht ohne Grund. Geprägt vom Bariton-SaxophonSound des 71-jährigen Stephen Kupka, genannt „the funky Doctor", zeigen Adolfo Acosta, Sal Cracchiolo, Tom E. Politzer, Emilio Castillo und nachtürlich „Doc" Kupka, dass sie noch immer nicht zum alten Eisen gehören.
Vor allem die beeindruckenden Soli von Tom Politzer brachten die Zuschauer immer wieder zum Jubeln.
Während der Bandvorstellung hätte Castillo es nicht treffender sagen können: „Alle sprechen sie immer von den Tower Of Power Horns, aber was wären die Horns, ohne diese worldclass Rhythmsection?". Gemeint sind Dewayne Pate, Jerry Cortez, Roger Smith und der legendäre Schlagzeuger David Garibaldi, der sich nach einem schweren Verkehrsunfall seit einigen Tagen erst wieder mit auf Tour befindet. Die vier bildeten das Fundament, präzise wie ein Uhrwerk.
Besonders Ersatzbassist Dewayne Pate muss man hier hervorheben. Es ist immer schwer in eine bestehende Band einzusteigen, vor allem ohne Proben, doch springt man für den legendären Rocco Prestia am Bass bei Tower Of Power ein, hat man eine wirklich große Aufgabe, wenn nicht eine der größten Aufgaben, vor sich. Doch Pate meisterte dies tadellos.
Seit 1968 besteht die Band nun, hat schon so manche Musikerwechsel hinter sich, einige Ehemalige sind in den Jahren verstorben, doch eines merkt man den Herren aus Oakland an: sie haben Spaß.
Viele Bands gehen nach fast 50 Jahren auf Tour weil sie Geld brauchen und man merkt, Lust und Freude ist da keine mehr. Eine TOP-Show ist ein 90-minütiges Groovefeuerwerk von Freunden, die sichtlich Spaß daran haben, was sie tun und sie bekommen nicht genug davon.
Auf die Frage was sie die restliche Zeit des Jahres tun, wenn sie 280 Tage auf Tour sind, soll Kupka in einem Interview einmal geantwortet haben: „Proben!".
Mitte 2018 findet im Fox Theater in Oakland an zwei Abenden die Party zum 50ten Geburtstag der Band statt, Anfang 2018 kommt ein neues Album. Ruhestand sieht definitiv anders aus. Und das ist gut so!

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