Interviews
10.01.2018 Julia Nemesheimer  
Patricks Trick

Patricks Reise

Am 12. Januar 2018 feiert das Stück Patricks Trick von Kristo Šagor auf der Studiobühne Premiere. Bis Ende Februar läuft das Schauspiel dann im Theater Trier. hunderttausend.de hat sich mit dem Regisseur Philipp Moschitz sowie den beiden Schauspielern Martin Geisen und Adi Hrustemović unterhalten.

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​Manchmal kommt es anders als gedacht. Kurz vor Weihnachten hieß es für Niklas Maienschein erstmal Zwangspause. Ein Leistenbruch führt dazu, dass er erstmal nicht auftreten darf und auch für die Premiere und die ersten Termine nicht spielen kann, geplant ist jedoch, dass er ab Februar wieder seinen Platz einnehmen kann. Improvisation ist an der Stelle gefragt und der junge Regisseur Philipp Moschitz hat auch gleich einen Ersatzmann in der Hinterhand. Aus München als frischer Master-Absolvent der Theaterakademie August Everding, an der auch Moschitz studierte, springt Adi Hrustemović ein. "Wir brauchten jemanden, der schnell übernehmen kann. Kurz vor Weihnachten habe ich ihn angerufen, er hatte nur wenige Tage Zeit, um den Text zu lernen und all das aufzuholen, was wir zu dem Zeitpunkt schon sechs Wochen lang erarbeitet und geprobt hatten," erläutert der Regisseur Philipp Moschitz die Entscheidung für Adi.

Und auch im Stück selbst kommt es eher nicht so, wie ursprünglich gedacht. Der elfjährige Patrick belauscht nämlich zufällig seine Eltern, die sich nachts über den kleinen Bruder unterhalten, mit dem die Mutter gerade schwanger ist. Dabei hört er, wie sie sagen, dass dieser wohl nie sprechen können wird. Um das zu verstehen, macht sich der Junge auf eine Reise und trifft viele verschiedene Menschen. Etwa seinen kroatischen Mitschüler, der erst spät deutsch gelernt hat, oder dessen Boxtrainer. Doch so richtig helfen können sie ihm genauso wenig wie sein bester Freund Valentin. Seine Lehrer, Herr Hansen und Frau Schlepper, raten ihm dann zu einem Menschen zu gehen, der wirklich behindert ist. Und die Gemüsefrau erklärt dann, was Behinderung eigentlich ist. "Damit spielt das Stück eben auch. Was ist "behindert"? Was nimmt die Vorurteile? Der Kniff hierbei ist, dass alles aus der Sicht von Patrick und seinem ungeborenen Bruder erzählt wird. Und die Reise, die sie gemeinsam auf sich nehmen, bringt sie näher an die Antwort. Denn erst im letzten Drittel wird klar, dass sein Bruder mit Down-Syndrom auf die Welt kommen wird," erklärt Regisseur Philipp Moschitz. "Interessant ist bei der Geschichte auch, dass zwar zwölf Figuren vorkommen, aber nur zwei Schauspieler auf der Bühne stehen. Alle Rollen werden von Patricks Bruder gespielt auf dem ersten Teil der Reise und man weiß nie so genau, was jetzt in seinem Kopf und was in der Wirklichkeit stattfindet. Erst nach und nach übernimmt Patrick die ganzen Rollen, sodass er im Endeffekt mit allen auftretenden Figuren einen Monolog hält," beschreibt Martin Geisen den Clou und auch die Herausforderung des Stückes. Dabei musste sich auch überlegt werden, wie man die unterschiedlichen Charaktere skizzieren könnte. "Wir wollten auf keinen Fall mit Accessoires oder Requisiten arbeiten. Natürlich ist das die erste Methode, an die man denkt. Es wird durch Sprache und Gestik klar, welche Figur gerade spricht. Mein Stil ist es einfach, dass die Gedanken des Zuschauers das Bild komplettieren, das wir auf der Bühne zeigen. Viel wichtiger ist es auch, mit dem Stück zu berühren und die Behinderung nicht zu persiflieren. Wir wollen ganz klar zeigen: So kann es sein. Es gibt Wege damit umzugehen. Man kann nicht planen, wenn so etwas auf einen zukommt, stattdessen muss man eher aus dem Moment und dem Bauch heraus entscheiden, was richtig ist," fasst Moschitz zusammen.

Geeignet ist das Schauspiel nach Kristo Šagor ab zehn Jahren, was aber nicht bedeuten soll, dass es explizit für Kinder gemacht ist. Vielmehr spricht es Erwachsene gleichermaßen an, Moschitz vergleicht es etwa mit Tschick von Herrndorf. "Das Stück ist für Groß und Klein, hat Poesie, theatrale Tiefe, Spaß, Spannung, eine coole Choreographie und zwei großartige Schauspieler, welche die zwölf Rollen hervorragend ausfüllen und mit denen es sehr viel Spaß gemacht hat, Patricks Trick zu erarbeiten," resümiert der Regisseur. Und so ist es auch an dieser Stelle erneut spannend zu sehen, dass oftmals die Jugendstücke intensiver wirken können und für alle Altersgruppen gleichermaßen interessant sind. ​

Tickets für das Stück sind für 14 Euro beziehungsweise 10 Euro ermäßigt sowohl online als auch an der Theaterkasse erhältlich. Gegebenenfalls gibt es auch noch Eintrittskarten an der Abendkasse für Kurzentschlossene.

Termine:

Fr 12. Jan 2018 /19:30 Uhr
Di 16. Jan 2018 / 10:00 Uhr 
Mi 17. Jan 2018 / 10:00 Uhr   
Do 18. Jan 2018 / 10:00 Uhr 
So 28. Jan 2018 / 11:00 Uhr 
Di 30. Jan 2018 / 17:00 Uhr
Do 01. Febr 2018 / 17:00 Uhr 
Fr 16. Febr 2018 / 18:00 Uhr 
Mi 28. Febr 2018 / 18:00 Uhr 

Foto: Simon Hegenberg

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