Reviews
31.10.2017 Julia Nemesheimer Simon Engelbert
Nicholas Müller liest

Das Leben ist;

​Am 25. Oktober 2017 hatte Nicholas Müller sein Heimspiel vor ausverkauftem Haus. Im Kasino Kornmarkt las der Musiker aus seinem Buch Ich bin mal eben wieder tot gute zweieinhalb Stunden. Mit dabei: Familie, Freunde, Wegbegleiter von damals wie heute und jede Menge Emotionen.

 
Image

​Nicholas Müller hat uns mit seinem ersten Buch ziemlich mitgenommen. Das weitgehend tabuisierte Thema psychische Krankheiten, speziell Angststörungen behandelt der Musiker mit seiner ihm ganz eigenen Art. Dass das Buch sehr persönlich ist, spiegelt sich in der Sprache wider, es liest sich so, als würde man ihm direkt zuhören und er würde einem alles persönlich erzählen. Es gibt das Werk auch in der Hörbuch-Version, vorgelesen von Nicholas Müller selbst. Am vergangenen Mittwoch hat er das in Trier dann auch tatsächlich gemacht. Im ausverkauften Kasino Kornmarkt saß er gelöst auf der Bühne und legte vor allem Wert darauf, dass seine Message ankommt: "Sucht euch Hilfe, legt die Scham ab. Werdet gesund." Man muss sich nicht von seiner Psyche kaputt machen lassen, denn es gibt Unterstützung. Darüber geht es vor allem in dem Buch, der Weg von Nicholas Müller als Beispiel, dass man da wieder rauskommen kann. Das man ein normales Leben leben kann - auch mit Angst.

"Es wird deftig heute Abend, sowohl in der Wortwahl - ich komme aus der Eifel - als auch vom Inhalt", so wurde die Lesung eröffnet, nachdem Müller den wunderbaren Song Wände von Spaceman Spiff zum Besten gegeben hat. Leichte Kost ist es nicht, wenn er von der Zeit spricht, in der die Angst kam. Nach der unbeschwerten Kindheit und Jugend kam mit Mitte 20 der große Knall mit der Krebserkrankung von Mutter und Großmutter. "Das fällt mir heute doppelt so schwer, davon zu sprechen und zu lesen", bemerkte er mit Verweis auf seinen Vater, diverse weitere Verwandte und Bekannte von früher und heute, die allesamt im Publikum saßen. Trotzdem merkte man, dass sich Nicholas Müller auf der Bühne immer noch sehr wohl fühlt. Wenn er liest und redet, kleine Anekdoten und Witze einbaut, dann käme man kaum auf die Idee, dass der große Mann im Scheinwerferlicht sich in den letzten Jahren unzählige Male in ein Häufchen hinterhältig beißende Angst und Panik verwandelt hat. Das Heimspiel in Trier bescherte dem Publikum an diesem Abend außerdem einen Grund, warum es wieder voran geht: Tobi Schmitz, der gemeinsam mit Nicholas Müller die Band von Brücken bildet, war ebenfalls anwesend. "Ich wollte keine Songs von von Brücken spielen, außer wenn Tobi dabei ist, " kündigte der Eifeler das eigene Lied Die Parade an. Dass hier zwei beste Freunde am Werk sind und die beiden Musiker wunderbar miteinander harmonieren, merkte man innerhalb der wenigen Minuten, die beide zusammen spielten.

Der zweite Teil des Abends behandelte die Zeit in der Klinik und wie Müller hier geholfen wurde. Von seiner Tochter, die ihm jeden Tag aufs neue zeigt, was das Leben lebenswert macht. Die Lesung endet mit dem Epilog des Buches und dem Song Trusty & True von Damien Rice, unplugged und ohne Mikro im Publikum, gegen Ende gemeinsam mit Tobi Schmitz. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich von Nicholas Müller vorlesen lassen. Live, als Hörbuch oder einfach selbst lesen.

"Freunde, das Leben besteht aus Tod und Steuern. Aber dazwischen, in den bunten Lücken, in diesen wunderbaren Momenten, da ist es bahnbrechend schön. [...] Das Leben ist;"

Bildgalerie



Karte anzeigen