Stadtgespräch
02.06.2018 Sina Steiner  
Der kommende Aufstand - Bühne1

Gegenwart ohne Ausweg

​Gestern feierte bühne1 die Premiere ihrer neuen Inszenierung und leistet damit den gewohnt experimentellen Beitrag zum Karl Marx-Jubiläum. hunderttausend.de durfte dem Ensemble bei einer offenen Hauptprobe bereits am Dienstag über die Schulter schauen und sich einen ersten Eindruck von Der kommende Aufstand verschaffen.

 
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Das Theaterprojekt bühne1 gehört seit fast 10 Jahren zur Trierer Kreativszene und hat sich seither als interdisziplinäre Kulturinstitution etabliert. Das aktuelle Stück wird in bekannter Manier umgesetzt und verbindet Schauspiel, Performance, Videoinstallation und Livemusik. Vorab wurde wenig Genaues über den Inhalt des neuen Projekts preisgegeben, sodass lediglich der programmatische Titel Hinweis auf das zu Erwartende bietet und damit ganz bewusst zu Spekulationen einlädt. Die Ankündigungen auf Instagram beschränkten sich somit vornehmlich auf den Titel und auch der Trailer zum Stück entpuppt sich als eine Art künstlerischer Kurzfilm mit gewünscht vagem Inhalt. Der Besucher soll ganz offensichtlich möglichst unvorbereitet auf eine theatralische Erlebnisreise gehen, wie es auf ihrer Homepage heißt. So ist auch der Aufführungsort zunächst ein Geheimnis. Der Treffpunkt am Karl-Marx-Denkmal am Simeonstiftplatz ist nur ein Sammelpunkt, von dem es dann via Bus zum eigentlich Schauplatz des Stücks geht und damit tatsächlich bereits das Versprechen einer Erlebnisreise einhält.

Die Inszenierung Der kommende Aufstand basiert auf dem gleichnamigen Essay des sogenannten Unsichtbaren Komitees, dass seit 2009 als revolutionäres Handbuch oder linksradikales Manifest in mehrere Sprachen übersetzt und online vielfältig verbreitet wurde. Mitautor, Regisseur und Produzent des Theaterstücks, Michael Gubenko, der seit 2010 für die künstlerische Leitung der bühne1 zuständig ist, beleuchtet dabei den Aufstand als die scheinbar wiederkehrende apodiktische Zukunft, in dessen Richtung sich die zeitgenössische Gesellschaft bewegt. Im Vordergrund steht das Seelenleben der einzelnen Figuren, sodass die politische Ebene des Themas in den Hintergrund tritt und das Stück eine gewisse Allgemeingültigkeit entwickelt. Viele themenimmanente Inhalte des Aufstandes, wie beispielsweise die feministische Parole Das Private ist politisch, wird von den Autoren dabei in Frage gestellt. Ziel ist es jedoch nicht selbst in politische Parolen zu verfallen, sondern einen Diskurs zu öffnen, was durch die verschiedenen selbstkritischen Verweise des besonders freundlichen Bordpersonals im Reisebus zu Beginn und Schluss des Abends deutlich gemacht wird und die Umstände des Kulturbetriebs offenlegt.

Mit ihrem aktuellen Projekt präsentiert die bühne1 eine weitere spannende Inszenierung, die den Zuschauer aus der Reserve locken möchte. Michael Gubenko bleibt seinem Motto Die Kunst ist nicht die Antwort, sondern die Frage treu und fordert die Menschen auf nachzudenken.

Weitere Vorstellungen sind am 07.06., 08.06., 09.06., 10.06., 14.06.,15.06., 16.06., 17.06.
Der Treffpunkt befindet sich jeweils um 20 Uhr am Karl-Marx-Denkmal am Simeonstiftplatz. Karten gibt es für 11,00 Euro / 6,00 Euro ermäßigt.

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