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Donnerstag, 22.10.2009
13 Kurze mit …
Zwei Männer, 13 Schnäpse, ein Philosoph
Dass Philosophie und Alkohol irgendwie zusammengehören, ist klar. So konsequent wie Till Reiners und Roman Schmitz setzen diese Vorgabe aber Wenige um. Mit viel Halbwissen und 13 Schnäpsen pro Nase, machen sie sich am kommenden Dienstag an die Interpretation eines Klassikers der Sozialwissenschaft.
13 Kurze mit …;Zwei Männer, 13 Schnäpse, ein Philosoph

Trier. Wer das Bild des zerstreuten Professors in die Welt gesetzt hat, muss dabei an Niklas Luhmann gedacht haben. Sein Zettelkasten, in dem sich möglicherweise - auf unzähligen Papierfetzen verteilt - die Welterklärung befindet, ist legendär. Schwer vorstellbar, mit dem großen Systemtheoretiker auf ein Bier in der Stammkneipe zu sitzen und entspannt zu plaudern.

Genau das wollen Till Reiners und Roman Schmitz ändern. In ihrer Reihe »13 Kurze mit… « nehmen sie sich pro Monat einen Philosophen vor und sprechen anhand von ausgesuchten Textstellen über sein Werk. Am kommenden Dienstag ist Luhmann an der Reihe. Dass es dabei staubtrocken zugeht, wird dadurch ausgeschlossen, dass die beiden alle sieben Minuten je einen Schnaps trinken.

Richtig vorbereitet sind die Protagonisten nicht auf die Texte. »Wir haben gerade so viel Halbwissen, dass wir rund 90 Minuten damit füllen können«, erläutert Till bei einem Bier. »Ziel ist es, spontan zu assoziieren.« Obwohl Roman an der Uni ein Luhmann-Seminar besuchte, ist er erkenntnistechnisch kaum weiter: »Da blickt keiner durch,« muss er gestehen.

Lachkrämpfe bei Marx

Dass das Konzept ankommt, zeigte sich bei der ersten Auflage. Im September beschäftigten sich Till und Roman mit Karl Marx und provozierten den ein oder anderen Lachkrampf. Zum Beispiel zwischen Schnaps sechs und sieben, als sie verzweifelt den Unterschied zwischen Sein und Bewusstsein zu erklären versuchten. Erst ein rettender Hinweis aus dem Publikum half den Halbwissenden auf die Sprünge, denn bei »13 Kurze mit…« sind die Zuschauer aufgefordert, mitzudenken und zu reden. Mittrinken können sie übrigens auch.

Das Reden fällt den Vordenkern gegen Ende selbst etwas schwer. Bei der ersten Auflage, ging es für Roman zum Schluss eher darum, die richtige Textstelle zu finden: »Kannst Du das nochmal wiederholen?«, war die häufigste Frage seines Gegenübers. Harald Schmidt hätte Feuerstein damals in »Schmidteinander« nicht besser bloßstellen können.

Till und Roman wären nicht Mitglieder des »TheaterUmriss«, wenn sie nicht auch ernsthafte Ziele verfolgen würden. »Was uns interessiert, ist der Voyeurismus, der dem Ausstellen und Anschauen von Betrunkenheit zugrunde liegt«, sagt Roman, der normalerweise als Regisseur hinter der Bühne die Strippen zieht.

Pokalkampf oder Luhmann?

Wäre dieses Format alkoholfrei, wäre ihm ein Sendeplatz im Nachtprogramm sicher - findet zumindest der Autor dieser Zeilen. So aber wird die Reihe »13 Kurze mit… « bis auf weiteres ihre Heimstatt im Karussell am Zuckerberg behalten und sicher fortgesetzt. Weitere philosophische Textfragmente harren ihrer alkoholgeschwängerten Analyse.

Am kommenden Dienstag kann es jedenfalls passieren, dass die Eintracht in der Verlängerung um den Einzug in die nächste Runde kämpft, während im Karussell am Zuckerberg zwei Betrunkene über Luhmann reden. Welches Ereignis spannender ist, das nennt man die Qual der Wahl (jek).

von Christian Palm