Das Rheinische Landesmuseum öffnet seinen Besuchern die Pforten zu einem vollkommen neuen Ausstellungskonzept. Der seit der Konstantin-Ausstellung bestehende, insgesamt 4.000 Quadratmeter umfassende Rundgang durch das Museum ermöglicht nunmehr einen chronologischen Aufbau der neuen Dauerausstellung.
Trier. »Mumienkrieweler« nennt der Trierer in zärtlichem Spott jenen Berufsstand, der »aal Gemölder« bei Ausgrabungen an das Tageslicht bringt, es wissenschaftlich untersucht und anschließend dem Museum übergibt. Wo es, so erging es jedenfalls bislang einem Großteil der Exponate der neuen Dauerausstellung, nicht sogleich in Vitrinen, sondern aus Mangel an Platz und adäquater Präsentationsmöglichkeiten erst einmal im Magazin auf lange Jahre ein Schattendasein führen musste.
Doch die Ausgrabungstätigkeit und Forschungsarbeit eben jener Archäologen bot die Basis für ein Ausstellungskonzept, das Heidi Schumacher, Leiterin der Abteilung Allgemeine Kulturpflege im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz, berechtigterweise als Kernstück der Profilmarke »Antikes Trier« titulierte.
Stellten sich vor der Konstantin-Ausstellung noch einige Räume als Sackgassen heraus, wodurch der Museumsbesuch zu einem verworrenen Suchen nach jenen Sälen wurde, die man bislang nicht in Augenschein genommen hatte, so ermöglichte der damalige Umbau eine Expositionsplanung, die den Besucher in einem großen Rundgang automatisch durch jeden Raum führt.
Eiszeit bis barocke Pracht
Diese nun vorgegebene Form wurde inhaltlich mit einem chronologischen Aufbau der Ausstellung versehen: Von der Eiszeit und der Ortsbestimmung des Naturraumes über den vom Homo erectus allmählich erschaffenen Kulturraum, der keltischen Hochkultur, ihrer Romanisierung, der Stadtgründung durch Kaiser Augustus und der Blütezeit römischer Kultur in Augusta Treverorum, mittelalterlicher Stadtgeschichte bis hin zur Darstellung der barocken Pracht im 18. Jahrhundert gelingt es der Ausstellung, eine klare Linie durch die Historie der Stadt und ihres Umlandes zu zeichnen.
Die Ziele, die der Museumsdirektor Dr. Eckart Köhne für die Konzeption benennt, wurden überzeugend umgesetzt. So entstand eine »moderne Ausstellung, die für Touristen wie auch für die Trierer selbst interessant« sein und zudem die Arbeit der Archäologen veranschaulichen soll.
Für die Modernität sorgte dabei das Architekturbüro »neo.studio« aus Berlin. Dies gelang zum einen durch die farbliche Gestaltung, die jedem Raum und damit jedem Thema eine spezifische Farbe zuteilt und die Exponate in ihrer Aussage atmosphärisch unterstreicht, wie auch durch die hervorragende Nutzung des natürlichen Lichts und einer präzisen Ausleuchtung der Vitrinen und Säle. Nicht zuletzt rückt die dezente, weil akkurate Gestaltungskraft der Architektur die Ausstellungsstücke in den Vordergrund. Zudem wurde auf Barrierefreiheit geachtet, so dass das Landesmuseum behindertengerechten Ansprüchen genügt.
Das Interesse von Touristen wie Einheimischen wird auf vielfache Weise geweckt, ist auch Thomas Metz, Generaldirektor Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, überzeugt. In erster Linie ist sicherlich der »besucherorientierte Ansatz mit wissenschaftlicher Genauigkeit« zu nennen, wie Mechthild Neyses-Eiden, Projektleiterin der neuen Ausstellung, hervorhebt. »Archäologische, historische und kunsthistorische Inhalte werden ästhetisch vermittelt« und fundiert, aber dennoch verständlich erläutert.
Jeder Saal ist mit einem, an der Wand angebrachten Titel versehen, dessen detaillierte Erklärung sich auf zahlreichen Tafeln findet. Zudem hat der Besucher die Möglichkeit, sich an Medienstationen über die Arbeitsmethoden der Archäologie mittels Kurzfilmen zu informieren. Auch hier wurde darauf geachtet, dass die Exponate im Vordergrund bleiben und nicht etwa durch Medieninstallationen verdrängt werden: Die Filme können bei Interesse per Knopfdruck abgerufen werden und übertönen nicht den Raum.
Natürliche Neugierde und erwartungsvolles Staunen
Besonders gelungen ist die Ausstellung auch im Hinblick auf die jüngeren Besucher. Auf eine parallele, weniger wissenschaftliche und eher spielerische Ebene der Exposition wurde verzichtet. Stattdessen werden die natürliche Neugierde, das erwartungsvolle Staunen und die Wissbegier der Kinder ernstgenommen und in diversen museumspädagogischen Führungen und Veranstaltungen unter der Leitung von Anne Kurtze aufgefangen.
Auch können die Kinder mit dem ebenfalls neuen Audioguide, der im Eintrittspreis enthalten ist, für sie aufbereitetes Wissen abrufen. Für die Erwachsenen jeglicher Nationalität bietet das Medium in vier Sprachen eine Erläuterung der Exponate. Die Ausstellung wird von einem ausgezeichneten Katalog begleitet, an dem sich einzig die Farbgebung der Seitenzahlen kritisieren ließe, die man sich entsprechend der Raumfarben gewünscht hätte.
Auch wenn der Pförtner die 16vor-Mitarbeiterin mit einem skeptischen »Es liegt noch einiges im Argen« empfängt und auch die Verantwortlichen vor der eigentlichen Eröffnung hier und da selbstkritisch noch »ein Haar in der Suppe fanden« - der letzte Schliff vor der Einweihung der neuen Dauerausstellung wird sicherlich die kleinen Mängel beheben. Schon jetzt braucht das Landesmuseum den Vergleich mit den großen Museen Deutschlands aufgrund seiner modernen, aussagekräftigen Konzeption nicht mehr zu scheuen.
Seit dem 13. Oktober finden die Besucher Einlass von Dienstag bis Sonntag von 9:30 Uhr bis 17:30 Uhr. Zur Eröffnung und am Sonntag, 18. Oktober, ist der Eintritt frei (cp).
- von Annika Hand