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| Jimi Berlin | |
| Jimi Berlin;Hallo Tagebuch (72) | |
| Das Kieferloch | |
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| »Sie Wienerschnitzel?«, fragt die Bedienung im Biergarten freundlich. »Nein, ich bin die Ilse!«, ertönt es keck zurück. Allgemeines Hoho, Gekicher und Hach. In trauter Runde sitzen wir zusammen, genießen die Wirkung von übermäßigem Essen und Alkohol und wie so häufig wird irgendwann das Thema Krankheiten angeschnitten. Normalerweise punkte ich dabei immer mit meiner fehlenden linken Niere und einem Bandscheibenvorfall, komme aber heute wegen Fr. Walkers Zähnen nicht zum Zug. Auch Hr. Lulu, der geheimnisvoll von seinen horizontal wachsenden Weisheitszähnen raunt - im Normalfall eine sichere Bank - geht sang- und klanglos unter. Fr. Walkers Weisheits- und Backenzähne sind nämlich dereinst so hinterhältig entzündlich in den Kiefer hinein gewachsen, dass dieser brüchig wurde wie eine zu lange im Tabernakel gelegene Hostie. »Oah, leck!«, meint ihre Freundin Fr. Sin beeindruckt und auch uns andere gruselts. Mit zwei blutigen Operationen konnte das dräuende Unheil eines zerbröselnden Untergesichts zwar glücklicherweise abgewendet werden, allerdings befinden sich bis zum heutigen Tage tiefe Löcher in ihrem Kiefer, weiht uns Fr. Walker in die Abgründe ihrer dentalen Krankenakte ein. »Die Tamponaden konnte ich nach der OP wie Tücher beim Zaubertrick aus dem Mund ziehen, dass hörte gar nicht mehr auf«, pimpt sie abschließend ihre an sich schon spektakuläre Geschichte auf. »Und das wurde dann verfilmt?«, wirft Hr. Mutter witzelnd ein, der außer einer Sehschwäche und Schlafmangel aber kein erwähnenswertes Siechtum vorzuweisen hat. »Die Löcher sind heute noch kratertief«, kanzelt ihn Fr. Walker dann auch kurzerhand ab. Im Folgenden stellen wir uns vor, wie es wäre, Abhörmikrofone in Fr. Walkers Kieferlöchern zu verstecken. Oder eine Kamera. Oder Schnaps, wenn es aufs Rockkonzert geht. Vielleicht auch Mischgetränke. Rechts der Wodka, links Red Bull und dann kurz schütteln. Und und und. Zum Schluss kommt wieder die freundliche Bedienung und fragt, wer das Zigeunerschnitzel zum Mitnehmen bestellt hat. »Das war ich«, sagt Fr. Walker. »Sie brauchen es nicht einzupacken, die nimmt das im Kiefer mit«, scherzt wieder der Hr. Mutter. »Der Arzt hat gesagt, ein falscher Biss in einen Butterkeks und mein Kiefer wäre hinüber gewesen«, gibt Fr. Walker nochmal eiskalt Kontra - Sieg auf der ganzen Linie im Krankheitenerzählen-Wettbewerb. Erst auf dem Nachhauseweg erinnere ich mich an meine Nebenhodenentzündung vor zehn Jahren, als mein linker Testikel die beeindruckende Größe einer genmanipulierten Pampelmuse erreichte. Es ist ja häufig so im Leben, dass einem die wirklich wichtigen Dinge viel zu spät einfallen (cp). | |
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