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Eintracht Trier;Der Star ist der Trainer
Eintracht Trier ist auf der Suche nach einem neuen Trainer fündig geworden. Auf einer Pressekonferenz stellte sich Mario Basler der vollständig versammelten Lokalpresse. Der Europameister von 1996 tritt die Nachfolge von Werner Weiß an, der am vergangenen Wochenende entlassen wurde. Basler unterschrieb einen Zweijahresvertrag.
 
Eintracht Trier;Der Star ist der Trainer
 
Autor: Christian Palm | Foto: Christian Palm
 
Ein Punkt und null Tore aus drei Spielen. Die Bilanz von Eintracht Trier hinkt den Ansprüchen von Fans und Verantwortlichen deutlich hinterher. Nach katastrophalem Saisonstart findet sich die Mannschaft auf dem vorletzten Tabellenplatz wieder. Die starke Leistung aus dem DFB-Pokal gegen Hertha BSC Berlin ist längst vergessen. Zeit für ein Zeichen, dachte sich die Eintracht-Führung und gab dem Aufstiegs-Trainer Werner Weiß nach der 0:5-Klatsche gegen BV Cloppenburg am vergangenen Wochenende den Laufpass.

Mit Mario Basler kommt ein großer Name ins Moselstadion, der die erste Saison in der neuen Regionalliga West doch noch zum Erfolg werden lassen soll. An den Zielen ändert sich nämlich vorerst nichts. Weiterhin spricht man von der »Etablierung« in der Liga und dem mittelfristigen Ziel, in den Profifußball zurück zu kehren. Dass die Realität fürs Erste schlicht »Abstiegskampf« heißt, schlägt sich in der Rhetorik der Beteiligten bisher nicht nieder.

Lieber Zukunft als Gegenwart

»Wir müssen hart arbeiten«, sagt zwar der neue Mann an der Seitenlinie. Seine Mannschaft müsse »sich anstrengen und hart arbeiten«. Dann klappe es auch in naher Zukunft mit der Rückkehr in den bezahlten Fußball. Bei der Eintracht schaut man derzeit lieber in die Zukunft als in die triste Gegenwart.

Auf seiner Mission muss Basler mit demselben Spielerpersonal Vorlieb nehmen, das seinem Vorgänger kein Glück brachte. Neuverpflichtungen wird es bis zur Winterpause wohl nicht geben. Ob die Qualität des Kaders reicht, sich bis dahin schon aus der Abstiegszone zu verabschieden, scheint fraglich. Vor allem im Sturm mangelt es bisher an Durchschlagskraft. Einer wie Basler würde dem Trierer Spiel sicher gut tun.

In der Bundesliga erzielte er in 262 Spielen 62 Tore, wurde in der Saison 1994/’95 Torschützenkönig für Werder Bremen. Der gebürtige Neustädter war bekannt für seinen harten Rechtsschuss und seinen Zug zum Tor. 1996 gehörte er zum Kader der Nationalmannschaft, die in England den letzten großen Titel für Deutschland holte. Legendär sind auch seine Aktionen außerhalb des Platzes. 1999 wurde er beim FC Bayern nach einer Wirtshaus-Schlägerei gefeuert. Ob er als Trainer ähnlich erfolgreich wird, muss sich noch zeigen.

Super-Spieler, unerfahrener Trainer

Als Cheftrainer war er 14 Monate beim damaligen Zweitligisten Jahn Regensburg tätig und erreichte unter schwierigen finanziellen Vorzeichen den achten Platz in der Saison 2004/’05. Kurz darauf musste er allerdings seinen Hut nehmen. Seit 2007 war er Assistenz-Trainer bei TuS Koblenz unter Uwe Rapolder. Dabei verlor er das Ziel, Cheftrainer zu werden nicht aus den Augen. Deshalb fällt ihm der »Abstieg« in die vierte Liga nach eigener Aussage auch nicht schwer.

Gefragt nach seiner Philosophie als Übungsleiter gibt Basler Überraschendes zu Protokoll: »Disziplin« stehe bei ihm an erster Stelle. Nur so könne die Mannschaft funktionieren und ihr Potential ausschöpfen. Schlechte Nachrichten also für die örtlichen Kneipiers. Dass Basler der günstigen luxemburgischen Zigaretten wegen nach Trier kommt ist übrigens ebenso ein Gerücht, wie die Vermutung, dass der neue Eintracht-Trikotsponsor eine Weißbier-Brauerei ist. Um ein weiteres Vorurteil aus der Welt zu räumen, antwortet Basler auf die Frage, ob er nun zum Riesling-Trinker werde: »Darüber können wir nochmal reden, wenn es was zu feiern gibt«.

Ob Basler seine Trinkgewohnheiten schon in dieser Saison offenbaren wird, wird sich bald zeigen. Schon das erste Spiel des neuen Trainers wird ein ganz wichtiges: Nach der Länderspiel-Pause geht es am Samstag nach Worms. Ein Sieg gegen den direkten Tabellennachbarn könnte für etwas Entspannung sorgen. Mit drei Punkten kann man bei günstigen Ergebnissen auf den anderen Plätzen sogar die Abstiegsplätze verlassen. Die Lage ist zwar ernst, mit dem Frontmann Basler aber sicher nicht aussichtslos. Jedenfalls findet Basler eine andere Situation vor als 1996 beim Gewinn der Europameisterschaft. »Der Star ist die Mannschaft«, war damals das Motto von Bundestrainer Berti Vogts. Bei Eintracht Trier ist es seit heute umgekehrt (ds).
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