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Maria Stuart;Zwischen den Stühlen
Gerhard Weber macht aus Schillers "Maria Stuart", das am vergangenen Samstag, den 8. Oktober 2011, im Theater Trier seine Premiere feierte, ein ausdrucksstarkes Portrait zweier glückloser Königinnen.
 
 
Autor: Hanne Krier | Foto: Promo
 
Trier. "Früher war es auch nicht besser," raunt eine weibliche Stimme im Publikum. So gesehen, kennt Schillers Klassiker auch heute noch keine zeitliche Beschränkung. Von "zankenden Fischweibern" sprach man nach der Uraufführung 1800. Dennoch tut man dem Stück unrecht, wenn man es zum platten Zickenkrieg stilisiert. Dabei lassen sich einige Klischees nicht ganz von der Hand weisen. Weiblicher Neid und Rivalität bilden den Scherpunkt der Geschichte. Hier agieren zwei mächtige, aber einsame Königinnen, die sich nach Liebe sehnen. An Männern fehlt es nicht. Wie Motten ums Licht, umschwirrt sie der ausschließlich männliche Hofstaat. Jeder ist auf seinen Vorteil bedacht und nutzt die Macht oder Ohnmacht der beiden gegensätzlichen Frauen für seine Zwecke aus. Die kluge Elisabeth (Barbara Ullmann) durchschaut dieses Spiel. Als scheinbar starke, aber fraulich unattraktive Königin, gewährt sie ihnen Gunst und Liebe, um sie dann jedoch für ihre Machenschaften zu instrumentalisieren. Ganz anders agiert dagegen, die gutgläubige, schöne Maria (Sabine Brandauer). Sie vertraut und hofft auf Rettung. Doch keiner ihrer männlichen Bewunderer hat das Zeug zum Helden. Sie kneifen vor der Macht und verpissen sich. Am Ende ist die eine tot, aber frei und die andere muss ihren Triumph mit Einsamkeit und Verlassenheit bezahlen.

Intendant Gerhard Webers Inszenierung präsentiert sich klar und schnörkellos. Elektronische Klanguntermalung und die Projektion historischer Gemälde auf die eleganten, höfisch-zeitlich angepassten Kostüme von Carola Vollath, unterstreichen die moderne, puristische Bildsprache der Aufführung. Stühle sind das einzige Mobiliar. Ein Thron für Elisabeth, eine Art elektrischer Stuhl für die Gefangene Maria und gemütliche Sessel für die Höflinge charakterisieren die Positionen der Protagonisten. Die Lichtprojektionen an den Bühnenwänden ersetzen aufwändige Dekorationen auf der monumentalen Bühne (Bühnenbild: Gerd Friedrich). Dabei beschränkt sich das Farbspektrum vornehmlich auf Hell-Dunkel-Kontraste. Die Bühnentechnik kommt ebenfalls wirkungsvoll zum Einsatz und verstärkt die eindrucksvollen Bilder. In der Begegnungsszene der beiden Kontrahentinnen teilt sich z.B. der Bühnenboden in zwei tiefe Gräben und schließt sich wieder zu einer Fläche als beider Streit unversöhnlich, aber auf gleicher Höhe endet.

Die Aufführung lebt vom grandiosen Spiel der beiden Powerfrauen Barbara Ullman und Sabine Brandauer, deren gegensätzliche Charaktere in ihrer Darstellung dabei voll zum Tragen kommen. Etwas dezenter agieren daneben die Männer. Daniel Kröhnert spielt den jugendlich stürmischen Mortimer mit viel Engagement. Michael Ophelders als taktierender Leicester wirkt dagegen sehr abgeklärt. Die Tasche mit den Golfschlägern, die er permanent mit sich schleppt verlangt ihm sicher einiges ab. Klaus-Michael Nix wird seiner machiavellistischen Rolle als staatstragender Burleigh voll gerecht. Gegen ihn können der ausgleichende, redliche Paulet (Peter Singer) und die besorgte Amme Hanna (Angelika Schmid) nichts ausrichten. Schillers schöne Sprache und das seriöse Spiel der Darsteller machen das streckenweise doch etwas langatmige Stück auf jeden Fall immer noch sehenswert (jf).
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