Christian Stauer, Darsteller der »Improv-Comedy« Theatersport, erzählt etwas über die Geschichte des Stücks, erklärt die Spielregeln und verrät, was es so interessant macht, immer wieder das selbe Stück zu spielen.
hunderttausend.de: Woher stammt die Idee für das Stück?
Christian Stauer (links im Bild): THEATERSPORT ist ein eingetragener Begriff, also tatsächlich eine Trademark.
Die Idee für diese Form des Improvisationstheaters bekam Keith Johnstone, als er in den späten 50-er Jahren Workshops am Royal Court Theatre in London hielt. Mitte der 70-er Jahre zog Keith Johnstone nach Calgary/Kanada und begann mit seinem
Loose Moose Theatre Theatersport aufzuziehen.
Ja, und mittlerweile gibt es Theatersport weltweit und eben auch seit letztem Jahr in Trier.
Wer hat das Stück umgesetzt?
Unser Theatersport-Team wurde von Volker Quant (Harlekin-Theater Tübingen) im Rahmen eines Castings zusammengestellt und anschließend trainiert.
Volker Quant hat vor einiger Zeit selber Workshops bei Keith Johnstone besucht und wohl den größten Teil dazu beigetragen, Theatersport in Deutschland zu verbreiten.
Er ist sozusagen der »Theatersport- Guru« und hat neben etlichen deutschen auch österreichische und schweizerische Gruppen aufgezogen.
Wieviele Leute wirken vor und hinter der Bühne mit?
Auf der Bühne gibt es in der Regel den Schiedsrichter (Klaus-Michael Nix) und dessen Assistentin, einen Improvisations-Musiker (Thomas Bracht), sowie zwei Mannschaften á 3 Spielern (jeweils zwei Männer und eine Frau).
Und hinter der Bühne gibt es selbstverständlich noch Techniker für Licht und Klang, sowie Indira Rautenberg vom Theater Trier, die uns innerhalb der Produktion mit überaus großem Engagement, viel Geduld und mit allen möglichen Mitteln unterstützt.
Gibt es ein festes Raster, eine Struktur bei dem Stück?
Bei Theatersport finden stets feste Rituale statt:
- Der Schiedsrichter begrüßt das Publikum, heizt es ein und erklärt die Regeln
- Die Mannschaften laufen auf und präsentieren sich mit eigener Choreographie und eigenem Mannschafts-Song. So zeigen sich die DRAMATIGERS TRIER sehr cool, während die SHAKESPEARE- MOSELSHARKS einen eher sportlichen Stil bevorzugen.
- Die Theatersport-Hymne wird zusammen mit dem Publikum zelebriert
- Und die Mannschaftskapitäne tauschen die Mannschaftswimpel aus.
Das alles ist fester Bestandteil von Theatersport. Aber nach dieser Zeremonie gibt es kein festes Raster mehr. Alles wird live improvisiert und keiner (weder Zuschauer, noch Schauspieler) weiß, was die nächsten zwei Stunden alles so passieren wird.
Wie lange habt Ihr geprobt?
Volker Quant hat uns ca. 1 Monat jeden Tag sieben bis acht Stunden trainiert, um uns alle möglichen Techniken, Stile, Kniffe, Genres usw. einzutrichtern.
Welchen Part spielst Du?
Ich bin ein Improvisationsschauspieler, der nach bestem Wissen und Gewissen in Zusammenarbeit mit seiner Mannschaft versucht, Punkte für unser Team zu erspielen.
Ob ich an einem Abend aber für die DRAMATIGERS TRIER oder für die SHAKESPEARE MOSELSHARKS spiele, erfahre ich erst wenige Minuten vor dem Auftritt.
Es geht letztendlich ja auch nicht darum, welche Mannschaft mehr Punkte sammelt oder am Schluss gewinnt, sondern es geht darum die Zuschauer mit einer unterhaltsamen Improvisationsshow zu verblüffen und zu begeistern.
Was ist das Besondere am Stück?
Das besondere und tolle an Theatersport ist, dass die Zuschauer wieder und wieder zu unseren Aufführungen kommen können und dennoch stets neue Dinge sehen und hören werden, jedes Mal also neue Eindrücke mit nach Hause nehmen werden. Wir improvisieren Geschichten und daher wird keine Geschichte ein zweites Mal erzählt bzw. gespielt werden.
Nochmals: Nichts ist vorher abgesprochen. Nichts ist vorbereitet. Alles wird auf Zuruf der Zuschauer spontan improvisiert.
Was ist Dir am schwersten gefallen darzustellen/zu tun?
Es kommt oftmals vor, dass die Zuschauer improvisierte Stücke im Stile klassischer Autoren fordern. Zum Beispiel verlangt das Publikum: »Spielt doch mal im Stile von Kleist und lasst ein paar Brecht-Elemente einfließen!«
Sich also den Unterschied zwischen Goethe und Schiller, bzw. Lessing und Kleist oder einer Mozart- und einer Wagneroper bewusst zu machen und dann auch noch stilecht zu improvisieren, das bedeutet eine große Herausforderung für mich. Huihuihui.
Dafür liegen meine Stärken darin, wenn es darum geht, Geschichten spontan in Reimen zu improvisieren bzw. improvisierte Geschichten musikalisch darzubieten.
Jeder in unserem Theatersport hat da so seine Vorzüge.
Was muss man mitbringen, um in einem solchen Stück mitwirken zu können?
Jeder Theatersportler muss es wagen, vor ein erwartungsvolles Publikum zu treten während er sich im selben Moment bewusst ist, dass er jetzt auch total »versagen« könnte. Das Gefühl des möglichen Scheiterns, muss man also genießen lernen.
Man muss sehr flexibel sein, da improvisierte Geschichten oftmals ungeahnte Wege gehen und man muss vor allen Dingen aufmerksam sein und einander sehr gut zuhören können.
Wann sind die nächsten Aufführungstermine? Steht schon fest, wann ihr das letzte Mal damit auftretet?
Die nächste Aufführung von Theatersport wird am 1. März in der TUFA stattfinden und die darauf folgenden sind am 6. April, 3. Mai und am 11. Juni. Ein Ende ist nicht in Sicht.
Was plant Ihr als nächstes?
Wir werden voraussichtlich mit dem gesamten Team einen Improvisationsworkshop eines
Theatersport-Cracks besuchen, um uns sozusagen fortzubilden und auf diese Weise den Zuschauern immer bessere Shows liefern.
Machst Du das professionell, oder als Hobby?
Ich bin der einzige in der Theatersport-Gruppe in Trier, der keine Schauspielausbildung absolviert hat. Ich bin mehr oder weniger zufällig bei dem Casting im Theater Trier dazu gestoßen. Das Casting hat mir eine Riesenfreude bereitet und ist für mich sehr gut verlaufen.
Wieviel Prozent des Stückes sind improvisiert?
Bis auf die Anfangszeremonie alles, also 95 %.
Wie bereitet Ihr euch für die abendliche Aufführung vor?
Theatersport-Training und Improvisationsübungen machen und kurz vor dem Auftritt nochmals laut in der Gruppe und leise für sich im Kopf die goldenen Regeln der Improvisation durchgehen, ungeduldig im Kreis laufen, nervös an Tapeten kratzen, verwirrt an die Wand starren und so weiter …..
Umschreib das Stück mal in einem aussagekräftigen Satz!
Theatersport ist der hoch unterhaltsame Wettkampf zweier Schauspieler-Mannschaften, die sich in der großen Kunst des Improvisierens messen.