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Montag, 18.05.2009
Jimi Berlin
Hallo Tagebuch (77)
Police on my back
Jimi Berlin;Hallo Tagebuch (77)
Foto: Uwe Reinhard
An einem sonnigen Frühlingstag radeln Doris und ich ziellos umher, in den Fahrradtaschen hart gekochte Eier, Maggi, Löwen-Senf, Limburger Käse, Brot und Bier.
Die Stimmung ist bestens, vor allen Dingen bei Doris, meiner Sockenhandsprechpuppe, die erst gestern aus ihrem Winterschlaf in der obersten Kommodenschublade erwacht ist.
Auf der nächstbesten Parkbank nehmen wir unser Picknick ein.

Doris kann vier Senfeier mit Limburgerscheiben umwickelt auf einmal essen - ich bekomme nur drei in den Mund.
Nachgespült wird mit Maggi und Bier, dann geht es gemütlich weiter.

Fröhlich pfeifen wir ein Lied von Slipknot und bemerken nicht, dass wir in die Fußgängerzone des beschaulichen Örtchens einmünden, in dem wir unser Dasein fristen müssen - vor allen Dingen, weil ich nach dem Krieg das Angebot von James Last ausgeschlagen habe, als Kastagnettenspieler in seiner Band einzusteigen und nach Las Vegas zu gehen.
Aber das ist eine andere Geschichte.

Kaum haben wir das Schild »Fahrrad fahren frei von 21:00 bis 9:00 Uhr« passiert, betreten zwei Schergen die Szenerie und gebieten uns Einhalt, der mittäglichen Stunde wegen.

»Na, was haben wir falsch gemacht?«, fragt einer der jungschen Herren in schlabbrig unschöner Uniform, aber auch die olivige Farbe kommt wie immer nicht gut.

»Ich dachte, ihr hättet jetzt Blau!«, stänkert Doris deswegen.

Nach einer kurzen, ratlosen Pause entgegnet der zweite Polizist, dessen Oberlippe ein kleines Schnurrbärtchen ziert, recht resolut: »Sie dürfen hier nicht fahren!«.

Solcherartigen Humbug lernt man wahrscheinlich drei oder mehr Jahre lang auf der Polizeiacademy. Genauso wie »Nun man langsam, junger Freund« oder »Fahrzeugkontrolle! Führerschein, Fahrzeugpapiere, bitte«, »Na, was haben wir denn da?!« und »Ruf die Zentrale!«.
Dann kommt die Prüfung und die Hälfte fällt durch.

Bei Doris ist man mit so was natürlich an der falschen Adresse. »HALT DIE FRESSE, COP!«, röhrt es reflexartig aus ihr heraus und im Nu eskaliert die Situation.

»Nun mal langsam, junger Freund«, herrscht uns der Größere der beiden an.
»Fahrzeugkontrolle! Führerschein, Fahrzeugpapiere, bitte«, möppert der andere unfreundlich.

Wie immer fackelt Doris nicht lange.
Während ich schon kleinlaut vom Fahrrad absteigen will, um meine Brieftasche zu zücken und die geforderten Papiere vorzuzeigen, schnellt die zu hitzigen Reaktionen neigende Sockenhandsprechpuppe vor und verbeißt sich in der Nase des Schnurrbärtigen.
»RUF DIE ZENTRALE!«, brüllt der nun und sein Kollege fummelt hektisch am Pistolenhalfter.

In plötzlich aufwallender Panik trete ich in die Pedale. »NA, WAS HABEN WIR DENN DA?!«, kreischen uns die Bullen hinterher, während der Fahrtwind meine Entenschwanzfrisurperücke vom Kopf weht, die ich mir nach dem Zivildienst gekauft habe, um wie Elvis auszusehen.
Wie irre biege ich ab auf die Autobahn und rase nach Paris. Im Schutz der Nacht kehren wir Stunden später zurück.

»Die hätten wir doch platt gemacht!«, meint Doris, während wir auf unserem Balkon sitzen und uns einen Bio-Heilkräutertee mit LSD nach all den Strapazen gönnen. »Wenn du nur nicht immer so kleinmütig wärst!«
Ich gieße nochmal ein und packe die Kastagnetten aus.
Dann singen wir Punkrocklieder, bis sich die Nachbarn beschweren.

Alles in allem ein schöner Tag.
– von Uwe Reinhard