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Freitag, 22.01.2010
»Bemerkenswert«
Die Lesewütigen
Mit »Bemerkenswert« startet am 28. Januar eine neue Reihe in der Tuchfabrik. Gemeinsam mit dem selbstredend e.V. werden junge deutschsprachige Autoren und Verlage vorgestellt.
»Bemerkenswert«;Die Lesewütigen
Foto: Promo
Trier. Der Deutschunterricht an hiesigen Schulen ist oft nicht unbedingt der Ort, an dem die Liebe für Literatur erstmals keimt. Dröge und missachtet liegen die Bücher auf den Bänken und schaffen es nach Schulschluss nur selten wieder aus den Ranzen.

Dass Literatur auch wirklich Spaß machen kann, merken viele wohl erst später. Im Sturm und Drang der Jugend bemerkt man dann, dass es auch Bücher gibt, die zum eigenen Leben besser passen als Anette von Droste-Hülshoff zu Zwölfjährigen. Dass es auch junge Menschen gibt, die schreiben, dass sie ihre Texte auf Lesebühnen lesen, dass sie manchmal auch gegeneinander antreten und es Poetry-Slam nennen. Überhaupt: Dass es auch junge Literatur gibt.

Dieses Phänomen steht im Mittelpunkt der neuen Reihe »Bemerkenswert«, die am nächsten Donnerstag in der TuFa startet. »Die Szene ist unglaublich gut vernetzt. Sie schreiben Bücher, organisieren Lesebühnen und gründen Verlage«, erklärt Dorian Steinhoff, Vorstandsmitglied des selbstredend e.V. und selbst kein unbeschriebenes Blatt in der Poetry-Slam Szene. In der deutschen Öffentlichkeit sei genau das leider noch nicht so wirklich angekommen, »geschweige denn in Trier«.

Was an junger Lesekultur hier ankommt, ist bereits ohnehin zu großen Teilen dem jungen Verein zuzuschreiben: Seit zwei Jahren organisiert Dorian gemeinsam mit seiner Vereinskollegin Lisa Jaspersen die Kanapee-Poeten im Café Lübke Sounds, ein ungebrochen beliebte Lesebühne, die für viele den obligatorischen ersten Dienstag im Monat einnimmt. Neben diesem laufenden Programm haben sie in den letzten Monaten einige der erfolgreichsten Vertreter von junger (Bühnen-)Literatur in die Moselstadt gelockt: Sebastian23, Dirk Bernemann oder die Wort-Musik-Combo AndA.

In ihrem jüngsten Projekt werden nun an jeden vierten Donnerstag im Monat sowohl ein junger Autor als auch ein Verlag vorgestellt. Während der Autor selbst aus seinem Buch lesen darf, wird ein Buch aus dem Verlagswerk von einem Moderatorenduo vorgestellt, das sich aus Dorian selbst und jeweils einem Vertreter der Anglistik der Uni rekrutiert.

Autor des ersten Abends ist Finn-Ole Heinrich (Foto). Der 28-Jährige Hamburger liest aus seinem Buch »Gestern war auch schon ein Tag«, einer Sammlung von acht Kurzgeschichten, für die Leser und Kritiker gleichermaßen voll des Lobes sind. Und weil Talent so ungerecht verteilt ist, dreht der Autor auch noch preisgekrönte Filme, von denen er einige zeigen wird. Als bemerkenswerten Verlag hat man sich Mairisch ausgesucht, der am Beispiel des Buches »Delfinarium« von Michael Weins vorgestellt wird.

»Wir wollen den Künstlern und Verlagen dieser jungen Gegenwartsliteratur ein Podium bieten«, meint Dorian: »Sie ist es nämlich wert, dass man sie sieht.« Und so machen die beiden mit ihrem Engagement etwas wett, was so mancher Deutschlehrer vielleicht fast ruiniert hätte: Die Erkenntnis, dass Literatur nicht langweilig sein muss (jf).

Foto: Dylan Thompson

– von Kathrin Schug