
Teilen
Donnerstag, 18.06.2009
Airpeople
Rückkehrer im Wartestand
Am 26. Juni spielen AIRPEOPLE im ExHaus. Eine große Heimkehr für die im Land verstreuten Bandmitglieder. Wieso die räumliche Trennung der Produktivität der Gruppe nicht schadet, darüber sprach Drummer Florian mit hunderttausend.de am Telefon.
Foto: Promo
Trier. Wenn man AIRPEOPLE das erste Mal hört, muss man an die Band PHISH und ihren Instrumental-Song »First Tube« denken: Tanzgeeignete, schnelle Drums, eine feingeschliffene Rhythmus-Gitarre, die die Tonleitern entlang schwebt, wenig elektronische Effekte und immer wieder wohlüberlegte Tempowechsel und Melodievariationen, die für Abwechslung sorgen. AIRPEOPLE sind eine instrumentale Jam-Band, oft werden sie mit dem Begriff »Postrock« kategorisiert.
Drummer Florian, der sein Geld als freier Web-Designer verdient, hält aber nicht viel von Versuchen, die Musik seiner Band in solcherlei enges Korsett zu schnüren. »Oft entsprechen wir in einem Song Attributen von leise bis laut, oder von hart bis fluffig«, sagt er. »Da kommt man mit Begriffen wie Postrock nicht besonders weit. Letztlich muss man sich das einfach anhören.«
»Bier ist dann eher kontraproduktiv«
Die vierköpfige Combo existiert seit Februar 2007. Ursprünglich stammen alle Bandmitglieder aus Trier, leben aber mittlerweile zum Teil in Köln und Hamburg. Zum gemeinsamen Musikmachen trifft man sich einmal im Monat drei bis vier Tage im Kölner Proberaum und widmet sich ganz und gar den im Entstehen begriffenen Songs. Die Produktivität im Schaffensprozess ist dabei ähnlich wichtig wie die Wiedersehensfreude und das Pflegen der alten Freundschaften, die die Mitglieder schon vor der Bandgründung verbanden. Zu exzessiven und biergeschwängerten Orgien kommt es dabei aber nicht: »Bier ist dann eher kontraproduktiv«, sagt Florian. Die gemeinsame Kreativität sei viel mehr vom stetigen Basteln an Songideen, dem Wegwerfen und Suchen geprägt.
Das Rezept scheint zu funktionieren: Trotz räumlicher Entfernung und nur monatlich stattfindenden Proben werden AIRPEOPLE im Herbst ihr erstes Album vorlegen, das sie im Dezember vergangenen Jahres bei einem Freund im Liverpooler Studio aufgenommen haben. »Golden City« wird es heißen. Wenn man Florian nach Einflüssen oder Helden fragt, die für die Arbeit am Album maßgeblich waren, gerät er leicht ins Stocken, überlegt lange und ist sich unschlüssig darüber, ob ein Name zur Beschreibung einer Atmosphäre oder einer Idee, die inspirierend war, ausreicht. Dann lässt er sich aber doch festnageln und nennt »moguai« und »extragolden« als »momentan anregend«.
Warten ist nicht nur schlecht
Das Album werden Sie hauptsächlich direkt auf Tour verkaufen. »Am wichtigsten ist uns, dass unser Publikum Spaß hatte. Wenn dann noch zehn Prozent das Album mitnehmen, ist das natürlich toll.« Das angesprochene Publikum darf sich auf eine ausgedehnte Tour im Oktober freuen. Übernachtet wird privat oder in den oft sagenumwobenen Künstlerwohnungen der Veranstaltungsorte. Florian wünscht sich, dass ihr Weg auch nach Frankreich führen wird. »Die Leute dort haben einen viel offeneren Umgang mit Livemusik in kleinen Kneipen und Clubs. Das ist für die Stimmung nur gut«, sagt er.
Momentan befindet man sich aber eher in der Boxengasse der großen Reisestrecken. Die Platte ist fertig, aber noch nicht erschienen. Die Tour ist fix geplant, los geht es aber erst im Herbst. Das können mürbende Zeiten voller Zweifel sein. Nicht so bei AIRPEOPLE. »Es entstehen schon neue Songs. Wir nutzen diese Warteposition, um über die entstandenen Sachen nachzudenken und neue Ideen zu haben. Warten ist nicht nur schlecht«, erklärt Florian. Zufrieden sei man natürlich nie, aber die Unzufriedenheit als Kraftstoff für neue Produktionen zu sehen, ist ihm zu negativ. Er bleibt eher gelassen und freut sich auf die Heimkehr nach Trier.
AIRPEOPLE spielen am Freitag, den 26. Juni im ExHaus (cp/jek).
– von Dorian Steinhoff