Vorweg gesagt: Ingo Appelts Humor ist immer noch so schwarz und böse wie eh und je. Dennoch begeisterte er 250 Zuschauer am vergangenen Freitag in der ausverkauften Tufa nicht nur mit Altbekantem sondern bewies durchaus Vielseitigkeit.
Trier. Zu Beginn seines Programms »Männer muss man schlagen« geht der Comedian auf Schmusekurs mit den Frauen. Er ist davon überzeugt: Der weibliche Körper beherberge die besseren Menschen. Sicherlich zeugten seine alten Witze über Männer zu Beginn des Programms nicht von Einfallsreichtum, aber die Masche funktioniert. Besonders die weiblichen Zuschauer haben zunächst ihren Spaß.
Doch bald darauf zeigt sich der deftige Männerhumor Appelts, wenn er sich schonungslos über alles und jeden lustig macht und auch das »F-Wort« nicht zu kurz kommt. Da werden dann auch mal die anwesenden Rollstuhlfahrer gefragt, ob sie Sitzpinkler seien.
Sein Ausnahmekönnen beweist Appelt bei seinen Parodien. Die altbekannten Helmut Kohl, Rudolf Scharping oder Gerhard Schröder dürfen natürlich nicht fehlen. Doch Appelt imitiert auch seine Comedy-Kollegen Mario Barth, Johann König und besonders Michael Mittermeier so gekonnt, als würden sie hautnah vor einem auf der Bühne stehen.
Ob nun der weinerliche Herbert Grönemeyer oder die »dümmlich naive« Nena - bei Appelt bekommen alle Promis schonungslos ihr Fett weg. Besonders liegt ihm Charlotte Roches Bestseller »Feuchtgebiete« am Herzen, bei dem sich Appelt nicht zu Unrecht fragt, was wohl in Deutschland losgewesen wäre, hätte er selbst solch ein Buch veröffentlicht.
Die Männer sind schuld
Appelt kann sich der Beziehung zwischen Frauen und Männern - wie der Name seines Programms schon andeutete - nicht entziehen. Er lästert derb und direkt über Alltagsprobleme zwischen den Geschlechtern.
Die Schuldfrage setzt er allgemein bei den Männern an, da Frauen nie Schuld hätten, sondern immer »gute Gründe«. Appelt nimmt sich auch selbst auf den Arm, wenn er kurz vor der Pause den Zuschauern empfiehlt sich auf sein Niveau herunter zutrinken und beweist Spontaneität bei einem Dialog mit einem 14-jährigen aus der ersten Reihe.
Man kann es zunächst gar nicht glauben, als Appelt sich im zweiten Teil ans Piano setzt und ein Liebeslied beginnt. Doch sein wahres Ich, der Bühnenrüpel, holt ihn schnell wieder ein, wenn er im Refrain trällert: »Ein bisschen Sex, meine Ruhe und ein Bier, mehr will ich gar nicht von Dir«.
Auch sein Lovesong ist an sein »bestes Stück« gerichtet und entspricht damit genau dem Niveau des Abends, das sich erwartungsgemäß unterhalb der Gürtellinie abspielt. Doch den Pointen kann man sich, so hart sie sein mögen, nicht entziehen und das Publikum versinkt in kollektive Lachsalven, aufgrund Appelts hochfrequenten Gagtempos.
Die Stärke seines gut dreistündigen Programms ist die Ausgewogenheit und Vielfalt, die er mit der Mischung aus Kalauern, Parodien und Gesangseinlagen am Piano bietet. Der Abend schließt mit einem »Striptease für Germany« an dessen Ende Appelt nur noch mit einer engen »Regenbogenfischunterhose« bekleidet den nicht endenden Applaus des Publikums entgegen nimmt (jek).
Text und Bild: Torsten Franken