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Mittwoch, 18.01.2012
Katy del Carmen (¡Más Shake!)
"Größe macht keinen Unterschied"
"Die Ärzte - braucht kein Mensch!" ist der letzte Satz auf dem Album "13" des bekannten Berliner Trios. Ob sich deren Bandmitglied Rod González selbiges dachte, als er 2010 das Quartett ¡Más Shake! Ins Leben rief, konnte hunderttausend.de nicht in Erfahrung bringen. Dafür berichtet aber die Keyboarderin von ¡Más Shake!, Katy del Carmen, was am 28.01.2012 im Casino am Kornmarkt auf das Publikum zukommt und wie man sich "The South American Beat Invasion From Berlin" vorstellen darf.
Katy del Carmen (¡Más Shake!);"Größe macht keinen Unterschied"
Foto: Promo
hunderttausend.de: Die einzige Information, die sich konsistent zur Beschreibung von ¡Más Shake! finden lässt lautet "¡Más Shake! spielen ansteckenden Beat aus Uruguay, Peru und Argentinien der 60er Jahre und treten den Beweis an, dass guter Beat nicht immer von der Insel sein muss!". Wie darf man sich das vorstellen?

Katy del Carmen: Zunächst einmal sind wir keine alte, sondern eher eine aktuelle Band, die Musik spielt welche in den 60er Jahren in Südamerika geschrieben wurde. Wenn man so möchte, sind wir eine Coverband, aber: wir covern Stücke, die hier in Nordeuropa niemand oder kaum jemand kennt. Die Beatles haben damals eine große Beat-Welle ausgelöst, aber sind nie nach Südamerika gekommen, weswegen sich dort dann ähnliche Bands wie zum Beispiel Los Shakers gründeten. Vom Klang her steht die Musik in der Tradition der Beatles: kurze knackige Stücke zum Hüften schwingen.

Spielt ihr diese Musik eins zu eins nach?

Was die Texte angeht, sind wir auf jeden Fall einhundert Prozent am Original, weil diese auch so schön kurios sind. Die Shakers waren zu der Zeit um die 16 Jahre alt und konnten entsprechend schlecht englisch. Aus dem Grund bestehen viele der Texte aus 20 Wörtern oder so, die bausteinartig zusammengesetzt sind. Das führt dann zu niedlichen Zeilen wie "I missed you", macht aber die Aura der Stücke aus.

Musikalisch sind die Stücke von den Bands meist selbst in unterschiedlichen Instrumentierungen eingespielt worden, was dazu führt, dass wir sie so spielen, wie es uns am besten passt. Klar überarbeiten wir sie auch ein wenig, ändern aber nichts am Lied selbst.

Die von dir erwähnten Los Shakers sind ja ebenfalls seit 2005 wieder aktiv. Kann man das als Zeichen einer neuen "Beat-Welle" ansehen, bei der ihr auch eine Vorreiterrolle einnehmt?

Das glaube ich nicht, da Beatmusik immer irgendwie präsent war und ist. Vor allem in England. Letzen Endes stehen Bands wie zum Beispiel Mando Diao auch in der Tradition der Beatles, nur dass sie so klingen, wie die Beatles damals wohl gern geklungen hätten, nämlich rockiger. Ich würde es nicht als Revival bezeichnen, auch wenn wir natürlich hoffen, das Interesse an der Musik zu steigern. Wenn man so will ist Beat schließlich eine Art "Mutter" vieler anderer Musikrichtungen.

Eure Geschichte hingegen ist noch recht jung. Im Februar 2011 hattet ihr euren ersten Auftritt. Wie ist das Resümee des ersten Jahres ¡Más Shake!?

Vorweg: die Band ist nicht darauf ausgelegt, möglichst schnell möglichst viel Erfolg zu haben, sondern eher ein Liebhaberprojekt. Sicherlich soll sich die Sache entwickeln, aber wir gehen es lieber langsam und entspannt an. Da wir aus Krankheitsgründen auch nur vier bis fünf Termine der Tour, die wir jetzt nachholen, spielen konnten, ist ein Resümee auch schwierig. Wir sind auf jeden Fall froh, dass wir die Single und ein paar Konzerte geschafft haben.

In einem Interview mit Westzeit hast du erwähnt, dass Rod die musikalische Leitung der Band übernimmt. Wie stellt man sich das bei einer Coverband vor?

Er hat die Band ins Leben gerufen, was wohl auch daran liegt, dass er aus Südamerika stammt. Darum schaut er dort mehr hin als andere. Er hat die Bands ausgegraben und die Stücke seit Jahren gesammelt. Bevor wir die Lieder spielen schreibt Rod sie in eine Tonlage um, die er singen kann. Schwierig ist auch, die Akkorde und Texte rauszuhören, da die Shakers meist selbst nicht mehr genau wissen, was sie damals gesungen und gespielt haben. Man kann also sagen, dass die Aneignung der Musik durch ihn erfolgt, weswegen er dann auch zusammen mit Michell den Ton im Proberaum angibt.

Du warst bereits Mitglied in Bands wie Lemonbabies und Petting. Rod kennt man ebenfalls auch eher als ein Drittel von Die Ärzte. Zwar alles Bands, die mehr oder weniger poppig sind, aber doch kein Beat. Gibt es da quereinsteigende Fans, die dann enttäuscht sind?

Wie erwähnt haben wir bisher kaum Konzerte gespielt. Bisher war es nicht so, dass es hieß "da spielt Rod von den Ärzten" und es standen auch keine 2000 Leute vor der Tür. Er hat es auch nicht gleich über alle Ärzte-Kanäle kommuniziert und wir haben auch kein Major Label, das Geld ins Marketing pumpt. Deswegen werden die Leute das wohl auch erst nach und nach mitbekommen. Es gab aber bisher eher positive Momente, wo die Leute wegen des Bekanntheitsgrades kommen und dann die Musik so toll finden, dass sie sich regelrecht bedanken.

Was weniger zum Dank gereicht, sind die Videos, die man von euch im Netz findet, da es ausschließlich eher Handyaufzeichnungen von schlechter Qualität sind. Plant ihr da auch noch etwas Selbstproduziertes?

Momentan widmen wir uns hauptsächlich Werken, die man nur hören kann. Bisher war auch noch kein Wunsch, Sachen auf die Webseite oder so zu stellen. Eigentlich hätten wir gerne eigenes Video, aber da wir alles aus eigener Kasse begleichen wird das noch etwas dauern. Wir haben bereits Konzerte mitfilmen lassen, aber dann muss man auch die Zeit finden, das Material zu sichten und zu schneiden.

Hättest du dafür einen Lieblingssong?

Schwierig, da ich fast alle gut finde. Vielleicht "Smile Again", aber wenn es eine Single auf unserer 7" gäbe, wäre es wohl "Always You".

Einen Tag vor dem Termin in Trier seid ihr in Köln zu Gast und auch sonst stehen eher große Städte wie Berlin, Hamburg oder München auf euren Tourdaten. Welchen Stellenwert nimmt dann eine eher kleine Stadt wie Trier in dieser Liste ein?

Ganz ehrlich glaube ich, dass kleine Städte besser sind für Bands als große. Mein letzter Besuch in Trier war vor 1996 und ich hoffe, ich tue der Stadt kein Unrecht an, aber ich glaube, dass das Angebot dort weniger umfangreich ist als zum Beispiel in Köln. Das sehen wir als Vorteil, da bestimmt mehr neugierige Leute kommen und mit uns abfeiern. So war es zumindest in Lüneburg. Für mich macht die Größe der Stadt keinen Unterschied, sondern eher der Club. Außerdem ist meine Erfahrung, dass die Landparty cooler ist als die Großstadt.

Womit kannst du die Landregion denn ködern?

Die Trierer erwartet eine ganz gute Liveband, die viel Freude am Spielen hat aber auch das Publikum gut zu unterhalten weiß. Sie sollen sich auf jeden Fall auf fröhliche Tanzmusik einstellen und die Lust zu tanzen mitbringen (rl)
– von Johannes Friedrich
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