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Donnerstag, 14.01.2010
Fachschaft WiSo
Von silbernen Zitronen und goldenen Trichtern
Eine Auszeichnung für den schlechtesten und besten Dozenten des Fachbereichs Wirtschaft- und Sozialwissenschaften, verliehen von Studierenden. Ist das nicht nur ein schlechter Scherz?
Foto: Privat
Trier. Zu einer guten Vorlesung gehören verschiedenste Attribute. Neben subjektiven Vorlieben Thematik und Fach betreffend, sind vor allem rhetorische Fähigkeiten des Dozenten entscheidend dafür, ob einem nach zwanzig Minuten der Kopf schlafbeschwert nach vorne fällt, oder gierig jedes Wort mit allen Sinnen aufgesogen wird. Jeder Student weiß das. Und jeder Student befand sich schon in der Situation, eine ausgewachsene Einschlafhilfe als Lehrer hinterm Rednerpult präsentiert zu bekommen. Wünschenswert wäre es, das vorher zu wissen, um mit Abwesenheit oder alternativer Kursbelegung entsprechend reagieren zu können - insofern die neuen Studienordnungen das zulassen. Eine öffentliche Evaluation der Vorlesungen, erhoben durch die jeweiligen Fachschaften, könnte diesen Informationsdienst leisten. Die Fachschaft WiSo hat eine etwas andere Methode zur Bewertung ihrer Vorlesungsdozenten gefunden.
Seit 1997 werden jährlich und für ein Jahr der »goldene Trichter« und die »silberne Zitrone« an den jeweils besten und schlechtesten Vorlesungsdozenten der Fächer BWL, VWL und Sozialwissenschaften verliehen. Auch dieses Jahr sind alle Studierenden des Fachbereichs IV vom 19. bis 21. Januar aufgerufen, ihre Stimme für die beste und schlechteste Vorlesung des Jahres 2009 abzugeben. Rund 3000 seien das, schätzt Torsten D. von der WiSo Fachschaft. Und ca. 600 geben ihre Stimme tatsächlich ab, »Grob«, sagt Torsten. Die offizielle Auszeichnung der Gewählten findet immer auf der dazugehörigen Party im Forum statt, »aber die silberne Zitrone wurde noch nie richtig verliehen«, sagt Torsten. Überhaupt, die Reaktionen der Ausgezeichneten halten sich in Grenzen. Manche würden zur Party erscheinen, manche nicht, und die Preisträger der silbernen Zitronen schöben die Wahl meistens auf ihr dröges Fach.
Wenn man Torsten danach fragt, welche Kriterien einer Vorlesung für seine Kommilitonen erfahrungsgemäß wahlentscheidend seien, antwortet er: »Da spielt nicht nur die Didaktik eine Rolle, viele entscheiden nach dem Schwierigkeitsgrad der gestellten Klausuren, aber das brauchst du nicht schreiben.«
Geschätzte 20% Wahlbeteiligung, kaum Resonanz bei den Lehrenden, nicht ernstzunehmende Wahlintentionen, die Verleihung des »goldenen Trichters« und der »silbernen Zitrone« ist bei näherer Betrachtung nicht mehr als eine werbefördernde Bespaßung für eine Fachschaftparty. Torsten D. sagt, dass eine richtige Vorlesungsevaluation auch nichts bringen würde: »Rechtlich gesehen kann es dem Professor egal sein, wenn seine Vorlesung schlecht ist und nicht besucht wird, den Lehrauftrag verliert er deswegen nicht.« Herrschende Willkür in der Lehrqualität und eine Studierendenschaft, die sich meist nur durch das Interesse an einfachen Klausuren auszeichnet - das ist akademische Wirklichkeit. Silberne Zitronen und goldene Trichter ändern daran sicherlich nichts, nur gut, dass sie das auch nicht wollen (ks).
– von Dorian Steinhoff