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Dienstag, 27.09.2011
Manuela Schewe
Missionarin des guten Geschmacks
Vor drei Jahren trat Manuela Schewe an, um mit einer ganz besonderen Vinothek die Weinkultur von ihrer Verstaubtheit zu befreien. Das "Weinsinnig" in der Palaststraße hat sich seitdem zu einem Treffpunkt für Weingenießer aller Altersstufen entwickelt, in denen Studenten einen nicht unbeträchtlichen Teil ausmachen. Besonders zur Freude der Betreiberin, die in ihrer eigenen Jugend auf veritable Weinsünden zurückblicken kann.
Manuela Schewe;Missionarin des guten Geschmacks

Foto: Linda Blatzek

Trier. Etwas versteckt liegt das Weinsinnig in der Palaststraße, und manchmal kann man es riechen, bevor man es sieht: Wenn im kleinen Ofen hinter der Theke die berühmten Flammkuchenvariationen gebacken werden, die sich für den ein oder anderen Besucher zur heimlichen Hauptsache in der Weinbar gemausert haben. "Es sind wenige, aber manche kommen wirklich wegen der Flammkuchen und sehen den Wein eher als Begleitgetränk", sagt Manuela Schewe.

Dabei ist der Wein die erklärte Hauptsache im "Weinsinnig", die sich den unverkrampften Weingenuss auf die Fahnen geschrieben hat und seit drei Jahren für eine Genusskultur kämpft, die nicht nur der Generation 50+ vorbehalten ist. Besonders die Studierenden hatte die zupackende Weinliebhaberin im Blick, als sie im April 2009 Einstand feierte. "Viele realisieren überhaupt nicht, dass sie in der Riesling-Region schlechthin leben", weiß Schewe, und tut ihr Möglichstes, an diesem Zustand zu rütteln: Zum Beispiel mit der Einführung eines Studenten-Schoppens, bei dem das Preis-Leistungs-Verhältnis von € 2,50 für 0,2 Liter auch für schmale Geldbörsen erschwinglich ist. Und die Studentenschaft dankt es der Missionarin des guten Geschmacks auf ihre eigene Weise: "Mittlerweile kommen Studenten vorbei, die eine Flasche Moselriesling für die WG-Party brauchen", erzählt sie sichtlich stolz, "obwohl sie früher immer eine Stubbi-Kiste mitgebracht haben." Es sind aber längst nicht nur junge, unerfahrene Weintrinker, die sich durch die Karte probieren. An diesem Abend trudeln zu später Stunde viele Weinfachleute der VDP-Prädikatsweinprobe ein, die sich positiv überrascht von der Auswahl junger, regionaler Winzer zeigen, die Manuela Schewe zusammengetragen hat.

Dass die gebürtige Saarländerin einmal erfolgreich eine Vinothek leiten würde, hätte ihr in ihrer Jugend wohl niemand so richtig zugetraut: "Meinen ersten Vollrausch hatte ich von Sangria und als Teenager war Bordeaux vom Discounter mein Lieblingswein", lacht sie. "Einen Bezug zu Wein hatte ich von Haus aus leider überhaupt nicht." Der Weg, den sie vom Sangria-Rausch zur Weinfachfrau zurückgelegt hat, ist lang und kurvenreich: Nach ihrem Abitur im saarländischen Dillingen studierte sie in Trier Betriebswirtschaft, "ein bisschen auch, weil mir nichts Besseres einfiel", sagt sie heute. Nach ihrem Abschluss gab ihr erster Job die spätere Richtung schon schemenhaft vor: In Köln organisierte sie Kölsch-Touren für Touristen. Ihr gefiel es, Kultur und Kulinarisches zu verbinden; der Standort Köln übte allerdings weniger Reiz auf sie aus: "Ich dachte, bevor ich in Köln die 20. Agentur aufmache, gehe ich lieber zurück nach Trier und versuche dort etwas Neues." Sie machte eine Weiterbildung zur Weinerlebnisführerin und schloss später die Ausbildung zum Sommelier an. Ihre neu erworbenen Kenntnisse ließen sie nicht nur die Weinkultur, sondern auch die Großregion ihrer Studienstadt neu entdecken: "Ich sehe die Mosel heute mit ganz anderen Augen", schwärmt sie und möchte diese Begeisterung für interessante regionale Weine auch an ihre Gäste weitergeben.

"Mir ist es wichtig, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich niemand blöd vorkommen muss, weil er kein Weinexperte ist", erklärt die Vinothekarin. Bei Veranstaltungen wie der monatlich stattfindenden Frage-Runde Fass X –Welcher Winzer steckt im Fass" können sich die Gäste spielerisch dem Reden über Wein annähern. "Manche kommen über das bloße Trinken zum bewussten Probieren der verschiedenen Weine, man muss ihnen nur aufzeigen, was es alles zu entdecken gibt", ist sie überzeugt. Die Erfahrung gibt ihr Recht: Manche, die anfangs nur wegen des Flammkuchens kamen, haben sich in der Zwischenzeit zu echten Weingenießern entwickelt (jf).
– von Kathrin Schug