Calin Kruses Fotografie-Magazin »dienacht« hat sich in nur zwei Jahren zu Triers charmantestem Exportschlager entwickelt. Am Samstag, 9.Januar, findet in der Tufa die Vernissage zur dazugehörigen Ausstellung statt. Über ein Projekt, das seiner Zeit voraus ist, weil ihm die Zeit egal ist.
Trier. Ein Logbuch unserer Zeit sollte es sein, provokant und originell. So klang es wenig bescheiden im ersten Impressum des Magazins »dienacht«. Das war vor zwei Jahren. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass Bescheidenheit auch überhaupt nicht angebracht gewesen wäre: Das Ein-Mann-Projekt des Graphik-Designers Calin Kruse hat einen beeindruckenden Siegeszug hinter sich gebracht: Abonnenten von Hamburg bis Wien, begeisterte Leser und eine Fachpresse, die den Hut vor diesem kleinen Magazin zieht.
Klein ist es tatsächlich, gerade einmal 15 x 18 cm misst das Format, das Calin – Herausgeber, Redakteur, Layouter und Vertreiber in Personalunion – mittlerweile zum siebten Mal mit Inhalten füllt. Die Idee war, eine Alternative zu herkömmlichen Fotomagazinen zu schaffen. Nicht nur für Profi-Fotografen, sondern für jeden, der sich für Fotografie, Kultur und frische Ideen interessiert. Anspruchsvolle, inhaltliche Beiträge über die Kultur abseits des Mainstreams.
Dabei hat das ehrgeizige Projekt im Jahr 2007 ganz unauffällig an der Fachhochschule Trier angefangen. Calin war damals Student für Grafik-Design und »wollte schon immer mal ein Magazin machen«, erinnert er sich heute. Da lag es nahe, seine Leidenschaft, die Fotografie, zum Gegenstand des Projekts zu machen. Seitdem freut sich eine stetig wachsende Leserschaft über zwei Ausgaben pro Jahr.
Neben Fotografien werden Illustrationen, Street-Art und andere Magazine vorgestellt. Komplettiert wird das Konzept durch eingängig erzählte Geschichten. Eine Abhandlung über Bob Dylan und das Songwriting findet ebenso Platz wie das Tagebuch aus einem Blumenladen, in dem es keine einzige Blume gibt, sondern nur Fotografien derselben.
Ideengeburtsmaschine
Bei allen Blicken über den kreativen Tellerrand liegt der Schwerpunkt des Magazins auf der Fotografie als Kunstform. »Das Schöne an den Portfolios ist ihre Zeitlosigkeit. Sie jagen keinem Trend hinterher, deshalb ist die erste Ausgabe genauso aktuell wie am Tag ihres Erscheinens«, sagt Calin.
Es sind renommierte und preisgekrönte Fotografen, die neben unbekannteren Künstlern veröffentlicht werden. Umstrittene Arbeiten, die sich oft am Rande dessen bewegen, was als Grenze des guten Geschmacks gilt. »Ich achte bei der Auswahl darauf, dass die Beiträge zueinander passen, ohne dass es ein benennbares Thema gäbe, das ihnen übergeordnet ist. Es ist ein Bauchgefühl«.
Nach diesem Konzept hat er auch die Ausstellung konzipiert, die am Samstag, den 9. Januar mit einer Vernissage eröffnet wird. Gezeigt werden Arbeiten, die bereits in »dienacht« veröffentlicht wurden oder die es in der nächsten Ausgabe werden. Unter ihnen Werke von namhaften Künstlern wie Gerhard Vormwald und Werner Schöffel.
Über den Titel hat Calin in der ersten Ausgabe geschrieben: »Die Nacht verbirgt vieles, was erst am Tage sichtbar wird. Sie ist eine Ideengeburtsmaschine.« Bleibt zu hoffen, dass die Ausstellung dem Magazin auch in seiner Heimatstadt zu angemessener Aufmerksamkeit verhilft. Denn manche der Dinge, die im Verborgenen stattfinden, haben es verdient, auch bei Lichte betrachtet zu werden (ds).
http://www.dienacht-magazine.com