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Freitag, 04.09.2009
Johanna Saxen
»Die Kamera ist unwichtig«
Johanna Saxen ist Fotografin. Vom 9. bis 12. September sind Teile ihrer Arbeit zum Thema »Tabu« im Rahmen der »Photomeetings« in Luxemburg zu sehen. hunderttausend.de traf auf einen Menschen, der nicht viel will und doch viel schafft.

Trier. Johanna Saxen trägt eine lockere, hell-beige Jeans, die sie bis über die Knöchel hochgekrempelt hat und ein langes, weites Oberteil, das locker über eine Schulter hängt. Die blonden Haare reichen offen und unordentlich bis über die Schultern und sind an den Seiten mit schlichten Spangen befestigt. Die Linke hat sich gelöst und hängt irgendwo auf Ohrenhöhe locker herum. Sie sieht gut aus und frisch. Die Emails, die wir im Vorfeld unseres Treffens geschrieben haben kamen immer um kurz nach neun Uhr morgens. Geschminkt ist sie kaum.
Die Fotografie scheint ein natürlicher Teil von ihr zu sein. Sie vermeidet es, so zu reden wie es eitle Künstler tun, die auf journalistische Standardfragen ausschweifend antworten und nur Unsinn reden, aber irgendwie bedeutungsvoll klingen. Fotografie sei einfach eine Ausdrucksform, mit deren Hilfe sie das sagen kann, was sie zu sagen hätte, die Art der Kamera sei dabei unwichtig. Angefangen hat alles noch in der Schule. Nach den Fotoarbeiten im Kunstleistungskurs und der Foto-AG schloss sie dann eine klassische Ausbildung zur Fotografin im Trierer Fotostudio von Roswitha Kaster ab. Vor zwei Jahren verließ sie ihre Heimat, um an der FH-Bielefeld Fotografie zu studieren.
Das künstlerisch ausgerichtete Studium sei tatsächlich hilfreich, sagt sie, sie sei besser geworden und auch das technische und fundamentale Wissen, das sie nun vermittelt bekäme, bringe sie in ihren Arbeiten voran. Eine dieser Arbeiten entstand zum Seminar-Thema »Tabu«, die nun im Rahmen des Photomeetings in Deloitte, rue de Neudorf in Luxemburg ausgestellt wird.
Bilder aus dem Abseits
Johanna Saxen hat das Thema als Mittel aufgegriffen, um auf Dinge aufmerksam zu machen, die unfassbar und zurückgewiesen zwischen den Begrifflichkeitsmechanismen unserer Welt liegen. Für vier Tage ist sie nach Oberösterreich gefahren und hat dort den Hermaphroditen Alex fotografiert. »Ich wollte darauf hinweisen, dass es Dinge gibt, die wegen ihrer Unbestimmbarkeit ins Abseits gestellt werden«, erklärt sie die Intention der Arbeit (s. Fotoalbum).
»Morgens wurde fotografiert, nachmittags zusammen rumgehangen oder gewandert«, ein Zusammenleben, das intime Eindrücke zu Fotos verdichtet hat. Die Bilder sind auf den Menschen bezogen, sie zeigen ihn so, wie Johanna ihn vorgefunden hat. Und in jedem einzelnen ist das unsichtbare Gefühl zu sehen, als nicht richtig empfunden zu werden.
Dass die Arbeiten für das Fotomeeting in Luxemburg ausgewählt wurden, ist ein stattlicher Erfolg. Eine Zukunft als Fotografin aber genau so gut planbar wie Ankunftszeiten bei einer Reise mit der Deutschen Bahn. Johanna bleibt ob dieser Aussichten gelassen, »Wenn mir Sicherheit wichtig wäre, wäre ich Lehrerin geworden«. Überhaupt, durch die Art wie sie spricht, weiß, wenn und was sie will, macht sie den Eindruck, ein Mensch zu sein, der die Dinge mit einer schlichten Einfachheit angeht - die nicht naiv ist - und dadurch in seiner künstlerischen Arbeit eine hellwache Klarheit erreicht. Vielleicht liegt es daran, dass sie das Richtige tut (cp).
– von Dorian Steinhoff