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Dienstag, 19.06.2012
Café-Restaurant Momo
Liaison zwischen Bio-Kulinarik und Kunst
Das gastronomische Angebot im von Wohnhäusern dominierten Gartenfeld ist immer verhältnismäßig spärlich gewesen. Seit Montag ist der Ortsteil jedoch um ein originelles Konzept reicher: Im Café-Restaurant Momo setzt man ausschließlich auf Bio-Produkte aus der Region, allerdings ohne dabei stark an der Preisschraube zu drehen. Eine angegliederte Galerie schlägt den Bogen von leckerer Kost zur Kunst. hunderttausend.de sprach mit Betreiberin Sina Grohs-Weber über Konzept und Zielgruppe ihres Lokals.
Café-Restaurant Momo;Liaison zwischen Bio-Kulinarik und Kunst
Trier. Entspannt setzt sich Sina Grohs-Weber auf einem der zahlreichen Sofas in ihrem ersten eigenen Café nieder. Schon seit rund zehn Jahren spielte die gastronomieerfahrene Frau mit dem Gedanken, etwas Eigenes zu eröffnen. Mal fehlte der Mut, mal das Geld, mal die passenden Räumlichkeiten. Als Bekannte dann das Objekt in der Agritiusstraße 4 kauften und ihr die Räume anboten, lehnte sie zuerst ab: "Der Containercharakter von außen hatte mich abgeschreckt. Als ich dann aber zum ersten Mal drin war und die hohen Decken, die vielen Fenster sah, dachte ich: Da kann man was draus machen."

Nach intensiver Umbau- und Renovierungsarbeit zeigt sich nun das Ergebnis. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Armin Schneider ("Kunst am Bau, Malerei und Gestaltung") wurde zweieinhalb Monate kreiert und dekoriert. Gemütliche Sofas und Sessel säumen die hellen Räume mit ihren handgearbeiteten Wanddekorationen. Hier und da hängt ein Kunstwerk des Künstlers Schneider, das die Einrichtung liebevoll ergänzt. Mit Blick auf die benachbarte St. Agritiuskirche können die Gäste auch vor dem Gebäude an der frischen Luft entspannen. Die auf dem großen Schild zu lesende Bezeichnung "Momo" ist an das gleichnamige Buch Michael Endes angelehnt. "Wir möchten, dass die Gäste beim Eintreten auf Slow Motion schalten und sich Zeit lassen können", sagt Grohs-Weber.

Das Besondere an ihrem Café sei die Zusammensetzung der umfangreichen Getränkekarte und die kleine, aber erlesene Auswahl an Speisen. Man greife fast ausschließlich auf Bio-Zutaten und -Produkte zurück, vorwiegend von Bauern und Betrieben aus der Region. Tee- und Kaffeespezialitäten werden durch regionale Weine aus Kanzem oder Maring-Noviand, sowie ausgefallene Bio-Biere, wie beispielsweise Dinkelradler, ergänzt. "Beim Essen setzen wir auf eine kleine Stammkarte, auf der sich Salate und Gemüsekuchen finden. Beim täglich wechselnden Mittagstisch achten wir auf eine vegetarische Alternative und bieten eine Tagessuppe an", sagt die dreifache Mutter. Trotz der Verwendung hochwertiger Produkte, sollen sich die Preise nicht von denen typischer Cafés in Trier abheben. "Für den Fall, dass ein Bio-Produkt einmal etwas teurer sein sollte, bieten wir den Gästen natürlich immer eine günstigere Wahlmöglichkeit dazu an."

Ein wichtiges Anliegen von Grohs-Weber ist es, sich nicht zu sehr auf eine bestimmte Zielgruppe bei ihren Kunden festzulegen. "Wir möchten einen bunten Personenkreis ansprechen. Bei uns sind Gäste, die an ihrem Stück Kuchen die Bio-Qualität schätzen, ebenso willkommen wie Studenten, Familien mit Kindern und natürlich die hilfsbereiten Anwohner hier in Gartenfeld." Auch Spätaufsteher sollen gelockt werden, denn Frühstück gibt es im Café Momo bis 14:30 Uhr.

Zum Zielpublikum zählen darüber hinaus Freunde der Kunst, für die vor allem die Galerie "ARS goes MoMa" im Nebenraum interessant sein dürfte. Dort stellt Schneider eine Auswahl seiner Werke aus. Der Künstler ist seit vielen Jahren in der Trierer Szene bekannt und präsentiert seine Arbeiten verschiedener Gattungen und Stile in wechselnden Ausstellungen. Dies findet in unmittelbarer Nähe zur "begehbaren Getränkekarte" (Foto) statt. Ein Termin für eine eigene Vernissage soll bald folgen. Jeden Samstag wird zudem das herzhafte Frühstücksbuffet in der Galerie angerichtet. Grohs-Weber begründet diese Maßnahme damit, die Hemmschwelle zur Kunst zu senken: "Wir möchten vor allem weniger kunstinteressierten Gästen zeigen, dass es bei uns ganz normal ist, sich zwischen Café und Galerie frei zu bewegen und dazu einladen, sich umzuschauen." Schließlich seien Café und Galerie als Ganzes zu sehen.
– von Robert Lindner