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Freitag, 21.08.2009
Jos Ruschel
Optiker mit hoher Schlagzahl
Klein aber fein: In der Saarstraße 93 betreibt Triers wohl vielfältigster Optiker sein Geschäft. Dabei macht Jos Ruschel nicht nur geschäftlich keine halben Sachen. 1989 war er Mitbegründer von Triers Baseballverein. Mit diesem wurde er ganz souverän deutscher Meister.
Jos Ruschel;Optiker mit hoher Schlagzahl
Trier. Darauf, dass Jos Ruschel gerne die Keule, pardon, den Schläger schwingt, kommt er erst spät. Zunächst ist Jos Ruschel mit Leib und Seele das, was ihn seit 25 Jahren beruflich beschäftigt: Optiker. 1974 gründete sein Vater Franz-Ludwig Ruschel das Geschäft zwei Häuser weiter. Schon zwei Jahre später zog man in die Räume eines früheren Supermarktes in die Saarstraße 93.

Seine Leidenschaft für den amerikanischen Schlagsport, der damals wie heute in Deutschland eher ein Nischendasein führt, entwickelte sich beim Schulsport in den Niederlanden, wo Ruschel aufwuchs. Nach der Gründung der »Trier Cardinals« Ende der Achtziger, gewann er mit der Mannschaft bereits sechs Jahre später die Deutsche Meisterschaft - zweimal in Folge.

Ruschel zeigt sich nicht nur im Sport offen für neue Trends. Nach eigener Aussage ist dies seiner holländischen Herkunft geschuldet. Gerade in seinem Geschäft spiegelt sich dies wider. Neben neuen Trends steht hier der gute Geschmack im Vordergrund. »Das ist wie bei der guten Küche«, sagt der Optiker und präsentiert stolz sein Sortiment von rund 1.200 Gestellen.

Brillenverkauf auf drei Rädern

Aufsehen erregte er auch mit seinem Brillenmobil, einer umgebauten Piaggio APE, dem ulkigen Kleintransporter auf drei Rädern. Mit einem großen Sortiment an Sonnenbrillen ist der Optikermeister bei vielen Sportveranstaltungen und Volksfesten der Region anzutreffen. Mit solchen Aktionen machte sich Ruschel sowohl in der Region, als auch in der Fachpresse einen Namen.

Seine Spezialität: Alles in Eigenregie, nichts geht aus der Hand. Das Team schleift jedes Glas selbst und passt es in die Fassung ein. Gerade das Handwerkliche ist es, was Ruschel an seinem Beruf reizt. Das Aufkommen der großen Filialen führte seiner Meinung nach dazu, dass in der Ausbildung junger Optikergesellen immer mehr Wert auf den Verkauf, statt auf die Herstellung gelegt werde. Damit entferne man sich sowohl vom Produkt, als auch von der Leidenschaft eines Handwerks.

Die Leute kommen automatisch

Bei Kritik über die Konkurrenz mit den großen Filialen hält sich Ruschel dennoch eher zurück, auch wenn er selbst nicht viel von derartiger Massenabfertigung hält. »Wer das will, geht so oder so dorthin«, meint er aber. Sein Ehrgeiz bestehe darin, so gut zu sein, dass die Leute automatisch zu ihm kommen.

Auch wenn seine Haltung in dieser Hinsicht konservativ wirkt, verschließt sich Ruschel nicht moderner Technik. Besonders stolz ist er auf seine prämierte Webseite, die bereits mit mehreren Förderpreisen ausgezeichnet wurde. Hier steht das Team des Optikers den Kunden nicht nur Rede und Antwort und nimmt Bestellungen für Kontaktlinsen entgegen, auch der aktuelle Bearbeitungsstatus einer in Auftrag gegebenen Brille kann abgerufen werden.

Zum 35-jährigen Bestehen des Geschäfts will Jos Ruschel keinen großen Rummel veranstalten. Im Oktober wird es einen kleinen Sektempfang geben, seine Stammkunden möchte er persönlich einladen. Gefeiert wird das Jubiläum über den Preis: Viele Sonderangebote erwarten die Kunden übernächsten Monat (cp).
– von Jens Kirschner