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Freitag, 04.12.2009
Gordian Scholz (Kilians)
»Wir besingen keine Sehenswürdigkeit«
Die KILIANS gehören zu den derzeit angesagtesten und erfolgreichsten deutschen Indie-Bands. Die Jungs aus Dinslaken starteten 2005 als Schülerband. Am 11. Dezember präsentieren sie ihr zweites Album »They Are Calling Your Name« im Ex-Haus mit einer Weihnachtsshow. hunderttausend.de sprach mit Bassist Gordian Scholz über die Bandarbeit, Literatur und Heimatstädte.
Gordian Scholz (Kilians);»Wir besingen keine Sehenswürdigkeit«
Foto: Promo
hunderttausend.de: Ihr habt euch nach einer Figur in »Der Hauptmann von Köpenick« benannt. Aber heißt ihr »Kilians« oder »The Kilians«?

Gordian Scholz: Wir sind die Kilians. Ob der Artikel davorsteht, bleibt jedem selbst überlassen. Wir sind durch eine Schullektüre auf den Namen gekommen.

Lasst ihr euch für eure Texte auch sonst von Literatur inspirieren?

Wir lesen alle sehr gerne und reden darüber. Simon, unser Sänger, ist ein großer Hermann-Hesse-Fan. Er ist derjenige, der die Texte hauptsächlich schreibt. Wenn man ein Buch liest, macht man sich auch Gedanken darüber. Da fließt sicherlich etwas mit ein. Ansonsten sind die Texte aber eher alltagsbezogen und handeln von dem, was man tagtäglich erlebt.

Der Rest der Band kann seine Ideen aber auch mit einbringen, oder?

Es kommt gerade in der Probephase vor, wenn wir neue Songs entwickeln, dass wir sagen »Das geht jetzt gar nicht«. Dann wird darüber gesprochen und wir machen neue Vorschläge. Es ist nicht so, dass wir Instrumentalisten da etwas vorgesetzt bekommen und »Ja und Amen« dazu sagen müssen. Das wäre auch fatal.

Eure aktuelle Single heißt »Hometown«. Bezieht sich das auf eure Heimatstadt Dinslaken?

Nein. Jeder hat natürlich eine Stadt, aus der er kommt und mit der er bestimmte Erinnerungen verbindet. Es soll sich jeder damit angesprochen fühlen, wenn er den Song hört und daran erinnert werden, wo er aufgewachsen ist und was man davon mitgenommen hat. Es bezieht sich nicht direkt auf Dinslaken. Wir besingen keine Sehenswürdigkeit, die es da sowieso nicht großartig gibt. Es ist eher dieses bestimmte Gefühl, das zum Ausdruck kommt.

Es wird aber immer wieder betont, dass ihr aus der »Provinz« kommt.

Das ist mir auch schon aufgefallen. Das war am Anfang stärker und ist mittlerweile nicht mehr ganz so schlimm. Da wurde immer gefragt, wie das denn sein kann, eine Band aus so einer kleinen Stadt. Für uns war das immer ein bisschen befremdlich, dass das der Aufhänger war. Aber wenn die Leute das brauchen, dann gibt man ihnen das eben.

Die Show, die ihr am 11. Dezember in Trier spielt, habt ihr als Weihnachtsshow angekündigt. Darf man sich auf festliche Überraschungen freuen?

Es könnte sein, dass ein Weihnachtsmann zugegen ist. Es ist eine Tradition bei uns, dass wir ein paar Weihnachtskonzerte spielen. Für uns ist das auch der Abschluss des Jahres. In Hinblick darauf, dass wir danach erst eine Zeit lang Pause machen und keine Konzerte spielen, wird es wahrscheinlich nicht festlich, aber gefeiert wird auf jeden Fall!

Ihr habt dieses Jahr euer zweites Album rausgebracht. Macht ihr deshalb Pause?

Ja, wir waren die letzten drei, vier Jahre ununterbrochen unterwegs und sind etwas verbraucht, da wir wirklich sehr viel gespielt haben. Es ist aber nur eine Konzertpause, keine Bandpause. Wir brauchen jetzt etwas Zeit, um uns um Privates zu kümmern. Es geht aber auch darum, das Bandleben fernab von Konzerten und Tourneen zu fördern. Wir werden uns weiter treffen, proben und an neuen Sachen arbeiten.

Ihr singt ja auf Englisch. Da liegt es nahe, auch international durchzustarten.

Richtige Pläne oder Zielstrebigkeit gibt es momentan nicht. Wir haben schon in der Schweiz und in Österreich, in Belgien und in den Niederlanden gespielt. Das hat uns sehr viel Spaß gemacht. Wir sind da offen. Wir würden gerne in Frankreich oder Spanien spielen und werden oft gefragt, ob wir nicht nach England wollen, aber das ist natürlich sehr schwierig.

Aber es gibt nicht so viele deutsche Bands, die Englisch singen und damit erfolgreich sind.

Es gibt schon welche. Angefangen bei den Beatsteaks bis zu The Notwist und Slut, die schon etwas länger dabei sind.

Unser Sänger Simon fühlt sich im Englischen einfach wohler und kann sich besser ausdrücken. Deshalb hat sich die Frage für uns nicht gestellt, auf Deutsch zu singen. Wir haben nichts gegen Bands mit deutschen Texten, da gibt es tolle Sachen. Aber unser Ding ist es nicht, zumal es schwieriger ist, im Deutschen eine wohlklingende Gesangsmelodie entstehen zu lassen (ks).

– von Marina Wicke