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Donnerstag, 29.07.2010
Eintracht Trier
Es geht wieder los
Nach dem nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt startet Eintracht Trier am Sonntag, 08. August, mit einer runderneuerten Mannschaft in die Saison der Regionalliga West beim 1. FC Kaiserslautern II. hunderttausend.de lotet vorab die Perspektiven für die Moselkicker aus.
Eintracht Trier;Es geht wieder los
Foto: Promo
Die Ausgangslage

Es gibt viel Grund zu Optimismus, denn nach der Saison 2009/10, die mit “katastrophal“ noch euphemistisch beschrieben wäre, kann es diesmal eigentlich nur besser werden. Völlig verdient wurde die vergangene Spielzeit auf dem letzten Tabellenplatz beendet. Die zeitweilig offenkundige Arbeitsverweigerung einzelner Spieler, die beiden Trainerwechsel (auf Mario Basler folgte im Februar Reinhold Breu, der bereits im April durch Roland Seitz ersetzt wurde), die peinliche Entlassung von Sportdirektor Fritz Fuchs, einige Fan-Aufstände und ein abstruses Verwirrspiel um potenzielle und amtierende Vorstandsmitglieder dokumentieren, in welch prekärer Lage sich der Verein befand. Da mit Waldhof Mannheim, dem Bonner SC und Rot-Weiß Essen gleich drei Teams der Regionalliga West keine Lizenz mehr erhielten, gelang am “grünen Tisch“ dann aber doch noch der Ligaverbleib.

Der Trainer

Nachdem mit dem “Experiment Mario Basler“ ein ehemaliger Weltklassefußballer und medienwirksamer Werbeträger keinen kurzfristigen Erfolg brachte und anschließend mit Reinhold Breu auch ein fachlich kompetenter Übungsleiter nicht die Wende schaffte, verpflichtete die Eintracht Roland Seitz als neuen Trainer. Der wurde bereits 2006 engagiert, verließ die Mosel aber bereits nach wenigen Wochen aufgrund eines lukrativen Angebots aus der Zweiten Bundeliga. Der 45jährige Oberpfälzer ist ein erfahrener Trainer-Haudegen, mit dem nur dann zu spaßen ist, wenn jeder mitzieht. Ein disziplinloser Haufen wie in der abgelaufenen Spielzeit dürfte es bei der Eintracht unter Seitz also eher nicht geben.

Der Neuzugänge

Als der neue Coach im April seine Arbeit aufnahm, folgten bis Saisonende noch sechs Pleiten in Folge, bei denen die Eintracht jeweils ohne eigenen Torerfolg blieb. Gegenüber dem Fachmagazin “kicker“ zeigte er sich entsprechend fassungslos: „So etwas habe ich noch nie erlebt!“ Ein radikaler Umbruch im Kader war damit unabwendbar. Zwanzig Abgängen (u. a. Senesie, Risser, Makiadi, Rakic, Salem und Lacroix) stehen zwölf Neue gegenüber. Torwart André Poggenburg, den Vorstandmitglied Ernst Wilhelmi als „einen der besten Torhüter der Liga“ bezeichnet, kam aus Lotte. Aufgrund seiner Verletzung wurde auf der Position des Keepers kurzfristig noch einmal reagiert und Andreas Lengsfeld von der SpVgg Weiden verpflichtet. Zur Achse des neuen Teams soll Rückkehrer Nico Patschinski (33) zählen. Auf den zweitligaerfahrenen Mittelstürmer wird eine zentrale Führungsrolle zukommen. In der Defensive könnten sich besonders der ehemalige Profi Thomas Drescher (kam aus Elversberg) und Torge Hollmann (vom SV Wehen-Wiesbaden) als echte Verstärkungen erweisen. Vom FC Schaffhausen konnte mit dem 26jährigen Stefan Kohler ein vielseitig einsetzbarer Defensivspieler gewonnen werden, aus Rostock kam der 20jährige Linksverteidiger Fabian Zittlau. Für den Offensivbereich verpflichtete die Eintracht Thomas Kraus (1. FC Köln II), Piero Saccone (SC Pfullendorf), den kamerunischen U20-Nationalspieler Olivier Mvondo, Tolgay Asma (SpVgg Weiden) und Alban Meha (SSV Reutlingen). Die Kaderplanung ist nahezu abgeschlossen. Dringend gesucht wird hingegen noch ein Stürmer, zumal Tim Eckstein vor dem Wechsel zum 1. FC Nürnberg steht.

Die Vorbereitung

Die Testspiel-Bilanz spricht für sich: acht Begegnungen, acht Siege und siebzig Tore. Gegen den Süd-Regionalligisten Darmstadt 98 gab es einen 2:0-Erfolg, ehe drei Kantersiege gegen unterklassige Gegner (13:0 gegen Krettnach, 18:0 gegen Schillingen, 19:1 gegen Pluwig/Gusterath) gefeiert wurden. Vor allem beim 4:1-Triumph gegen den SSV Reutlingen und dem 5:1 gegen den Schweizer Zweitligisten FC Schaffhausen präsentierte sich die Seitz-Truppe in bestechender Frühform. Gleiches gilt für die beiden jüngsten Auftritte gegen die luxemburgischen Erstligisten Progres Niederkorn (3:0) und CS Grevenmacher (6:2). Vor der Generalprobe am kommenden Samstag (18:00 Uhr) gegen den luxemburgischen Rekordmeister Jeunesse Esch sind laut Roland Seitz „sieben, acht Positionen relativ klar. Ansonsten kann noch eifrig um die vorläufigen Stammplätze gekämpft werden.“

Prognose

Als Ziel wird der Klassenerhalt ausgegeben. Daran ändern auch die teilweise herausragenden Testspiele nichts, wie Seitz klarstellt: „Ich hätte mir einige Gegner stärker vorgestellt. Sicher lief es für uns phasenweise sehr gut.“ Überbewerten dürfe man diese Siege aber nicht. In der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals wartet mit dem 1. FC Nürnberg ein Bundesligist. Ein Sensationssieg in diesem Spiel könnte der Eintracht viel Schwung verleihen. Sollte es dem Trainer gelingen, eine motivierte Einheit zu formen, dann steckt aber auch sonst viel Potenzial in diesem Team. Damit es zur Entfaltung kommt, muss aber zugleich im Umfeld endlich Ruhe einkehren, dem runderneuerten Team eine begrenzte Eingewöhnungszeit gewährt werden und der Verein muss mit den Fans wieder dauerhaft an einem Strang ziehen. Dann, aber auch nur dann, wird die Eintracht mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben (jf).

Der Kader 2010/2011

Tor: 1 André Poggenburg, 12 Andreas Lengsfeld, 25 Nicolas Bach.
Abwehr: 2 Torge Hollmann, 3 Thomas Drescher, 4 Johannes Kühne, 5 Josef Cinar, 13 Thomas Kempny, 15 Fabian Zittlau, 20 Michael Dingels.
Mittelfeld: 8 Stefan Kohler, 9 Julian Bidon, 10 Piero Saccone, 11 Olivier Mvondo, 16 Maximilian Bachl-Staudinger, 23 Alban Meha, 24 Tolgay Asma.
Angriff: 7 Thomas Kraus, 27 Nico Patschinski, 17 Tim Eckstein
Trainerteam: Roland Seitz (Chef), Rudolf Thömmes (Co), Sascha Purket (Torwart-Trainer)
– von Christian Baron