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Donnerstag, 03.09.2009
5 Fragen | Lars Reichow
»Bescheidenheit kann ich mir nicht leisten«
Lars Reichow ist der selbsternannte »Unterhaltungskanzler«. Am 12. September spielt der Kabarettist mit dem großen Selbstbewusstsein in der Trierer Tuchfabrik. hunderttausend.de sprach mit ihm über jammernde Deutsche und Auftrittspannen.
5 Fragen | Lars Reichow;»Bescheidenheit kann ich mir nicht leisten«
Foto: Promo
hunderttausend.de: Herr Reichow, nach der Premiere Ihres aktuellen Programms »Der Unterhaltungskanzler« sprach die Presse von einem neu aufgeschlagenen Kapitel in der Geschichte des politischen Kabaretts. Was ist so neu an Ihrem Programm?

Lars Reichow: Alles! Es ist der Abschied vom langweiligen, voraussehbaren Wortkabarett hin zu einer musikalisch-literarischen Auseinandersetzung. Ich will aktuell sein, ohne die Zeitung in der Hand zu haben, man könnte von einem emotional-politischen Kabarett sprechen. Man kann aber auch alle Begriffe in den Mülleimer schmeißen und sagen: »Der Unterhaltungskanzler« ist gute Unterhaltung für alle.

»Der Unterhaltungskanzler« ist nun kein besonders bescheidener Programmtitel. Braucht unser Land wirklich einen selbsternannten Komiker-König?

Bescheidenheit kann ich mir in meinem Beruf nicht leisten. Die meisten Komiker halten sich für die Größten, da mache ich keine Ausnahme. Bei mir kommt noch dazu, dass ich ein Instrument spiele und singen kann. So gut wie ich kann das nun wirklich kaum einer - ach was, das kann keiner!

Man liest, dass sie zu Beginn Ihrer Karriere mit roten Ohren und etwas unbeholfen vor ihrem Flügel auf der Bühne saßen. Erinnern Sie sich an eine exemplarisch furchtbare Situation aus ihren Anfangstagen?

Wo haben Sie das gelesen? Ich saß immer total cool am Flügel. Es kann sein, dass durch unabgesprochene rote Scheinwerfer von der Seite die Ohren rötlich angestrahlt wurden. »Exemplarisch furchtbar« war hingegen gleich mein erster Auftritt: Denn durch eine falsche Reglerstellung hörte ich meine Stimme zeitverzögert durch die Hinterbandkontrolle als Echo.

Damals kannte man das Wort »Herausforderung« noch nicht, es war eine »Zumutung«, aber am Ende hat es mich gestählt und diente als Vorbereitung für noch größere Pannen, die vor mir lagen.

In einem Fernsehinterview behaupten Sie: »Wo ein Deutscher ist, ist eine Depression.« Widerlegt das momentane Krisenverhalten der Deutschen diese These?

Nein. Im Gegenteil: Die Deutschen sind, wenn es drauf ankommt, sehr konzentriert. Bei aller Jammerei würden wir uns nie aufgeben. Da steckt noch ein preußischer Stachel in uns. Die Krise wird von allen Deutschen als Herausforderung begriffen. Viele haben ihre Arbeit verloren, ihre Altersversorgung etc. Alle haben daraus gelernt, nur die Banker nicht. Warten Sie ab: Wenn es uns allen in ein paar Jahren wieder richtig gut geht, dann wird auch wieder entsprechend gejammert. Da kann man sich drauf verlassen.

Wie wollen Sie die Trierer aufmuntern?

Trier ist eine optimistische, lebensfrohe Stadt. Mit Trier verbinde ich tatsächlich nur Gutes, und das ist ausnahmsweise nicht gelogen. Ich habe in Trier Workshops mit sehr, sehr netten Schülerinnen und Schülern gemacht. Ich war hier mit Piet Klocke und dem Kölner »Spaßgesellschaftsabend« auf Tournee, bin auf der Landesgartenschau aufgetreten. Trier ist die Heimat meiner Lieblingsministerinnen Doris Ahnen und Malu Dreyer. Ich kenne sogar einige Kneipen, zahlreiche Hotels, die ich schon verwüstet habe ... Trier ist einfach wunderbar (cp).
– von Dorian Steinhoff