"Mein Name ist Sebastian Matz und ich spiele heute Abend für Sie" - wahrscheinlich hat der Pianist Sebastian Matz in den letzten Jahren keinen Satz häufiger gesagt. Seit dem Ende der wöchentlichen Pianobar hat sich die Präsenz des Musikers auf Trierer Bühnen aber nicht verringert, im Gegenteil. Als Komponist und Musiker ist er unermüdlich, mit seiner Band "matz." bringt er im Januar die erste CD heraus. hunderttausend.de traf ihn auf einen Punsch im Brunnenhof.
Trier. Sebastian Matz steht in der abendlichen Kälte vor dem Brunnenhof, in der Hand den ersten Punsch des Jahres, und wartet auf seine Tochter, die nebenan den Malkurs besucht. In den Brunnenhof kommt er nicht nur regelmäßig wegen des Klaviers, das dort an der Wand steht; mit Betreiber Marco Gruben ist er seit den Anfangszeiten der Pianobar verbunden, als dieser noch Mitbetreiber des Chat Noir auf dem Petrisberg war.
Manchmal erweckt es den Eindruck, dass er schon seit der Erschaffung der Welt an den Klavieren dieser Stadt sitzt und spielt: Als Alleinunterhalter in der Pianobar, als Pianist in den verschiedensten Bands oder als "Witwe Bolte". Dabei verschlug es den 38-Jährigen erst mit Mitte Zwanzig an die Mosel, als er am Luxemburger Konversatorium seine Ausbildung in populärer Musik aufnahm.
Als Matz sich in Luxemburg längst einen Namen in der Musikwelt gemacht hatte, schloss sich mit der erfolgreichen Pianobar-Reihe auch der Kreis zur Trierer Musikszene. "Die ersten Abende habe ich noch für das Service-Personal und den Hausmeister gespielt", erinnert er sich. Ein Zustand, der sich rasant änderte. Als man ihn eines Tages bat, das immer zahlreicher werdende Publikum zu begrüßen, musste er sich überwinden. "Ich wäre nie auf die Idee gekommen, meine Stimme einzusetzen", sagt Matz. Der erste Song, den er sich traute vor Publikum zu singen, war "
The Great Song of Indifference" von Bob Geldorf, "weil man den so schön nuscheln kann". Über fünf Jahre lang hat Sebastian Matz den Alleinunterhalter am Klavier gegeben, heute ist dies eher die Ausnahmesituation und die Arbeit mit anderen Musikern steht im Vordergrund.
Seine Erzählungen sind weniger Erfolgsgeschichten als selbstironische Anekdoten vom Scheitern. Wie damals, Ende der Neunziger als er sich als musikalischer Leiter für das Musical
Jekyll & Hyde in Bremen bewarb - die mangelnde Erfahrung wurde auch nicht durch gute Vorbereitung ausgeglichen. Die Katastrophe folgte jedoch erst in der zweiten Runde, als dirigiert werden sollte. Dass er dies vorher überhaupt noch nie gemacht hatte, ahnte das Orchester vielleicht schon, als er in Jeans und Turnschuhen vor sie trat: "Ich fand mich ganz cool, bei diesem Vorspiel leger und in Converse Chucks zu erscheinen - leider war ich der Einzige". Bestätigung fand das Orchester, als der neue Bewerber es nicht einmal fertigbrachte, den Dirigierstab korrekt aus seinem Etui zu befreien. Kleinlaut machte Matz noch ein Erinnerungsbild vor den Bremer Stadtmusikanten und bekam die Absage auf förmlichem Wege.
Das tierische Quartet sollte ihm später wieder begegnen, unter weniger widrigen Umständen. Zwar hat er seit dem Desaster keinen Dirigierstab mehr angefasst, dafür aber unermüdlich komponiert und auf Bühnen gestanden. Der 16-stündige Klaviermarathon und ein Kompositionsauftrag für die Uraufführung der Bremer Stadtmusikanten des Theater Trier sind nur zwei Highlights in einer langen Schaffensliste. Fast nebenbei ist er mit Projekten wie
Die Professoren und seiner Band matz. Auf den Bühnen unterwegs. Spricht man ihn auf die Produktivität an, ist die Antwort simpel und einleuchtend: "Ich habe so viele Noten in meinem Kopf, die müssen irgendwo hin". In den Genuss einiger dieser Noten kann man am 21. Januar 2012 im Casino am Kornmarkt kommen, dann wird das Erstlingswerk der Band vorgestellt. Sebastian Matz wird dann das machen, was er am besten kann: Klavierspielen (jf).