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Montag, 22.10.2007
My Baby Wants To Eat Your Pussy
»Bei uns war mehr los als bei TRAVIS und SCISSOR SISTERS zusammen«
Sie sind schrill, sie sind Pop und sie haben einen komischen Namen: Am Donnerstag, den 25. Oktober 2007, eröffnen MY BABY WANTS TO EAT YOUR PUSSY die »studentenfutter«-Party zum Uni-Semesterstart im Trierer Forum. hunderttausend.de sprach mit Sänger Ziggy Has Ardeur über den Auftritt bei »Rock am Ring«, das demnächst erscheinende Debüt-Album und ein größenwahnsinniges Medienprojekt.
My Baby Wants To Eat Your Pussy;»Bei uns war mehr los als bei TRAVIS und SCISSOR SISTERS zusammen«
Foto: Promo
hunderttausend.de: Wie viele Interviews beginnen mit einer Frage, die etwas mit Eurem Band-Namen zu tun haben?

Ziggy Has Ardeur: Mittlerweile nicht mehr so viele, aber immer einmal wieder. »My Baby Wants To Eat Your Pussy« ist ja nicht gerade ein normaler Name.

Was für ein Name ist es denn?

Ein Name, der aus einem spontanen Moment des unerschöpflichen Größenwahns der Band entstanden ist. Wir haben es uns geleistet, so zu so heißen, weil wir einfach begeistert von dieser Formulierung waren.

Wenn ich Euer Band-Info – so zwischen den Zeilen – richtig interpretiere, seid Ihr mit der Einordnung in die Schubladen Glam- oder Art-Rock nicht so ganz glücklich. Liege ich damit richtig?

Das stimmt schon, wirklich happy sind wir nicht mit der Einordnung in Glam- oder Art-Rock. Natürlich behauptet jede Band, das sie sich nicht in Schubladen einordnen lässt und etwas Außergewöhnliches ist. Trotzdem fällt es selbst uns schwierig, unseren Stil genau zu benennen: Er ist zu poppig, um Avantgarde zu sein, aber zu seltsam, um Pop zu sein. »Glam« spielt sicherlich auf die Art der Show an, die wir auf der Bühne bieten, weil wir eben nicht aussehen wie Hinz und Kunz.

Stimmt. Euer Erscheinungsbild ist, um es neutral zu formulieren, auffällig. Ihr seid kostümiert, geschminkt, spielt mit den Geschlechterrollen – wie viel davon ist Berechnung, wie viel echtes Lebensgefühl?

Uns wird immer nachgesagt, dass unsere Show perfekt inszeniert ist, eine Show, bei der jeder Schritt stimmt und die deshalb auch berechnend ist. Das ist aber einfach nicht der Fall. Sehr vieles, was auf der Bühne passiert, ist Zufall und spontane Aktion. Natürlich gibt es da ein paar Dinge, die wir wiederholen – und die mögen für regelmäßige Konzertbesucher von uns als nicht mehr so spontan empfunden werden – aber zwischendrin herrscht eben immer wieder das pure Chaos. Das brauchen wir auch, für uns ist das enorm wichtig, dass wir uns frei bewegen können. Das, was viele als – inszenierte – Show sehen, kommt eigentlich nur dadurch zustande, dass wir auf der Bühne richtig Spaß haben.

Ihr habt dieses Jahr um die 40 Konzerte gespielt. Rein nominell müsste Euer Gig bei »Rock am Ring 2007«der wichtigste gewesen sein. War er auch der beste?

Es war für uns natürlich unheimlich aufregend und wahnsinnig toll, vor 8.000 Leuten zu spielen, die vor der Alternastage-Bühne standen. Wir hatten noch nicht einmal davon geträumt, dass am frühen Nachmittag schon so viele Leute da sind. Aber wir hatten das Glück, als Opener auf dieser Bühne wirklich die erste Band des ganzen Festivals zu sein, und deshalb war da so viel los. Bei uns war mehr los als bei TRAVIS und SCISSOR SISTERS zusammen! Unglaublich! Unfassbar!

Das war ein ganz, ganz wichtiger Gig für uns. Ich weiß aber nicht, ob es unbedingt unser bester war. Wenn Du auf einem Festival spielst, hast Du diese ganz eigene Atmosphäre, viele Leute, der Sound klingt anders, die Bühne ist anders, manchmal spielt man noch bei Tageslicht. Im Club ist es halt immer lauschiger und enger und komprimierter.


Link: sevenload.com

Dass eine Band in einem Dreivierteljahr 40 Konzerte spielt, ist eigentlich nichts Besonderes. Wenn diese Band aber zwischendurch auch noch eine Studioplatte mit 18 Songs produziert – dann muss man nachfragen: Wie habt Ihr das denn alles auf die Reihe gekriegt?

Manche Bands spielen 200 Gigs im Jahr, da sind 40 wirklich nicht viele. Aber die Albumproduktion hat ja schon im August 2006 begonnen und hat sich bis in den Sommer 2007 erstreckt. Da kriegt man das schon gut hin, wenn man sich die Zeit einteilt. Wir haben ja z. B. nicht immer alle gleichzeitig aufgenommen und waren teilweise alleine mit dem Produzenten im Studio oder haben zu zweit oder zu dritt aufgenommen.

Das klingt jetzt so vernünftig und gut organisiert, wenn man an Euer wildes Treiben auf der Bühne denkt.

Wir mussten halt schauen, dass wir bei der Albumproduktion nicht für jeden Ton zu sechst rumsitzen und jeden Ton kontrollieren und diskutieren. Das ist halt eine Herangehensweise, die man wählen muss, wenn man zu sechst etwas auf die Beine stellen will. Andererseits ... das mit der organisierten Vorgehensweise war vielleicht etwas zu streng formuliert (lacht).

Die Platte ist seit Mitte des Jahres fertig – aber wann sie genau erscheinen wird, wisst Ihr nicht. Wie kann das denn sein?

Es gibt tatsächlich noch kein genaues Release-Datum. Wir haben uns erst vor kurzer Zeit dazu entschlossen, wie wir das mit der Veröffentlichung machen, ob wir mit einer Plattenfirma zusammenarbeiten oder ob wir das alleine – mit einem eigenen Label - angehen. Wir haben uns für den letzteren Weg entschieden.

Das heißt, Ihr bringt die Platte auf einem eigenen Label heraus?

Genau. Das wird zwar spannend und wir werden viel zu tun haben. Wir sehen das aber eigentlich als ganz cool an, weil wir keine Kompromisse eingehen müssen und machen können, was wir wollen.

Dann müsst Ihr Eure Website aktualisieren. Da bietet Ihr noch Hörproben für potentiell interessierte Labels an.

Die bieten wir ja nicht nur Labels an, sondern auch anderen, die unseren Weg unterstützen wollen. Wir werden das mit unserem eigenen Label ja nicht alleine mit der Band bestreiten. Wir werden uns nicht alleine darum kümmern können, wo wir Cash für das bekommen, was wir machen möchten. Wichtig aber ist, dass wir musikalisch machen können, was wir wollen.

Auch im Internet macht Ihr scheinbar, was Ihr wollt. Neben der »normalen« Band-Seite habt Ihr auch noch pussymediaworld.com ins Leben rufen, eine Seite mit eigener Fernseh-Show, eigenen Radio-Channels, eigener Zeitung und jeder Menge web2.0-Schnickschnack. Ist das für eine Newcomer-Band Größenwahn oder Mut der Verzweiflung?

Es ist definitiv Größenwahn, gewürzt mit einer Prise Ideenreichtum. Es gibt halt so viele Dinge, auf die wir Lust haben. Wir drehen gerne Filme und machen wahnsinnig viel Musik neben der Band, jeder einzeln für sich oder in kleinen Side Projects. Web 2.0 war für pussymediaworld.com aber gar nicht der Aufhänger, uns geht es um den Content, die wunderschönen Filme, die Musik, die in unseren Radioshows läuft und die Texte, die wir uns ausdenken.

Nach einer kleinen Pause sind wir da wieder richtig am Start. Wir haben z. B. eine neue Fernseh-Rubrik gestartet, in der wir Musikvideos für andere Bands machen. Und wir haben immer wieder neue Ideen, z. B. für diese neue Serie.

Welche Serie?

(überlegt) ... wie soll ich das jetzt beschreiben? Da geht es um eine Art ... Über-Internet (überlegt) ... da kann ich wirklich noch nicht so viel drüber sagen (lacht). Aber es wird spannend!

Den Sprung hinaus in die große weite Welt habt Ihr ja sozusagen aus der Popakademie in Mannheim gewagt. Braucht man heutzutage solche Institutionen, wenn man höher hinaus will?

Nein, auf keinen Fall. Das kann man als unterstützende Maßnahme verstehen. Wenn man aber Musik macht und sicher ist, dass man Musiker werden will, dann geht man eben diesen Weg. Letzten Endes ist es wie mit jedem Studium: wichtig ist, was Du für Dich selbst daraus ziehst. Gut an der Popakademie war natürlich, dass Du viele Inspirationen bekommst, weil Du wahnsinnig viel Musik machst und viele andere Musiker kennenlernst. Eine coole Sache, aber eben nicht unbedingt nötig.

Und was wollt Ihr werden, wenn Ihr erwachsen seid?

Wenn wir groß sind, sind wir Rockstars (lacht).
– von Jörg Halstein